Freunde von Echtzeitstrategiespielen reagierten mit großer Freude auf die Ankündigung von EA, die beliebte Command & Conquer-Serie auch auf das iPhone zu bringen. Nach ein paar Monaten des Wartens wurde das Spiel gestern veröffentlicht, und wir haben einen ausführlichen Blick darauf werfen können.
Die technische Umsetzung ist insgesamt gelungen. Kleinere Ruckler auf einem iPhone 3G mindern nicht den ansonsten sehr guten Gesamteindruck. Grafik und Präsentation sind – typisch EA – auf einem sehr hohen Niveau. Schattenseiten sind die langen Ladezeiten zu Beginn des Spiels, außerdem stürzt die App beim Start desöfteren ab. Der Ton könnte weniger stark komprimiert sein, und es gibt beim Ein- und Auszoomen aus dem Geschehen ein paar Steuerungsungenauigkeiten.

Das Spiel erstreckt sich auf 10 Missionen, jeweils fünf für die Soviets und Allierten. Eine dritte Kampagne mit einer neuen Fraktion ist bereits angekündigt, und wird per In-App-Purchase verfügbar sein. Neben dem Missionsmodus gibt es noch ein Einzelspiel, für das zwei Karten auswählbar sind. Sechs weitere lassen sich für 79 Cent hinzukaufen. Die Steuerung ist sehr gelungen, zwar gibt es kein richtiges Tutorial, aber die Möglichkeiten erschliessen sich sehr intuitiv, und Kenner der Serie müssen sich nicht umgewöhnen.
Größter Kritikpunkt an der aktuellen Version ist für mich die künstliche Intelligenz: Sie scheint fest vorprogammierten Schemata zu folgen, und lässt sich davon nicht abbringen. Ein Beispiel: In der dritten Mission der Soviet-Kampagne schickt der Gegner über einen entlegenen Feldweg konstant Einheiten in immergleichen Zeitabständen zu meiner Basis. Zuerst dachte ich, mit einer eigenen Armee ihnen den Weg abschneiden zu können. Die KI lässt das kalt, und fährt einfach durch meine Panzer schnurstracks zu meiner Basis. Nein, nicht durch eine Lücke zwischen meinem Panzerverband, sondern wirklich durch die Panzer selber.

Die Kollisionsabfrage scheint zur Veröffentlichung nicht fertig geworden zu sein, und so kann es auch vorkommen, dass sich Panzer stapeln. Was für einen Spediteur nach einem spannendem Konzept klingt, in der Spielpraxis aber für Frust sorgt: Die Allierten verfügen über Prismenpanzer, die ihre Feuerkraft bündeln können, und dementsprechend fatal kann es sein, festzustellen, dass der einsame entgegenkommende Panzer sich plötzlich teilt, und die ganze Basis zerlegt.
Zurück zu meinem Beispiel, ich errichte auf dem Weg der wiederkehrenden gegnerischen Kolonne eine Zweitbasis, und blockiere den Weg mit Teslaspulen. Weiterhin halten die Einheiten durch die Verteidigungslinie auf meine Hauptbasis zu. In völliger Verzweiflung starte ich über die andere Seite der Karte einen Gegenangriff, der sich als überraschend Effektiv entpuppt: Mit einer nur sehr kleinen Gruppe von Einheiten zerstöre ich die gegnerische Basis, da die KI immer noch darauf besteht ihre Truppen auf den vorprogrammierten Weg zu schicken.

So bleibt am Ende ein sehr gemischter Eindruck: Zum einen hat das Spiel sehr viel Potential, von dem es auch schon einiges zeigt. Aber die mangelhafte KI, diverse Bugs und ein geringer Umfang verleiten zu dem Schluss, ein unfertiges Spiel in der Hand zu halten, welches frühzeitig auf den Markt geworfen wurde. Dadurch, dass der Computer die eigenen Aktionen weitgehend ignoriert, gestaltet sich das Spiel leider sehr statisch und wenig taktisch.
Mit ein paar Updates könnte man bei C&C: Red Alert uneingeschränkt zuschlagen, und der angekündigte Multiplayer-Modus verspricht großartig zu werden. Die aktuelle Version für den aktuellen Preis ist jedoch nur Fans der Serie und Echtzeitstrategie-Liebhabern zu empfehlen.
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