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07.05.2009 - 11:12 - Fabian Hüttenhoff

Von Äpfeln und Vögeln

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit bis die Gerüchteküche Apple einen Zukauf des Social-Micro-Blogging-Hype-Everyone's-Doing-It-Dienstes Twitter andichtete. Die Schnittmenge wäre gegeben: Das iPhone ist wie gemacht, um von überall her Kurznachrichten in den Äther zu schicken, und umgekehrt sind viele Twitter-User Besitzer eines iDevices aus Cupertino. In der blinden Gewissheit, das beides zusammengehört wie Brot und Butter, posaunt es hier und trötet es dort: "Apple kauft Twitter!" Mal ungeachtet davon, ob  Apple daraus überhaupt einen Vorteil ziehen könnte, wollen wir das wirklich?

Twitter ist nicht nur der Spielplatz für die geistigen Dünste von Geeks, Selbstdarstellern und Kreativen. Der minimale Textdienst hat sich in den letzten Monaten zum Experimentierfeld für Applikations-Entwicklung und Interface-Design gemausert. Die Liste an Adobe AIR-Applikationen, iPhone-Apps und inzwischen auch vollwertigen Cocoa-Programmen ist riesig, und Entwickler buhlen mit beinahe täglichen Updates um die Gunst der Twitter-Nutzer.

Was für uns Endanwender toll ist, stellt für den Dienst selber ein Problem dar: Werbung oder ähnliche Finanzierungsmodelle lassen sich nur über die Weboberfläche implementieren – die Dank der Vielfalt an anderen Eingabemöglichkeiten kaum genutzt wird. Falls jedoch Apple die Plattform akquirieren sollte, so kann man sich sicher sein, dass der Feed den Twitter bislang ungeschützt ausgibt, proprietär wird, und Apple eine eigene Applikation aufsetzt und/oder den Dienst in MobileMe integriert. Eine andere Lösung würde aus der Sicht von Cupertino keinen Sinn ergeben.

Die Plattform selber mag davon relativ unbeeindruckt bleiben, aber der Entwicklungsspielplatz Twitter wird kurz oder langfristig sterben. Entwickelt irgendjemand noch MP3-Player-Software? Mit der Geburt von iTunes und dessem konstanten Ausbau als Medienzentrale ist der Markt (zumindest auf dem Mac) tot. Es wäre völlig egal ob jemand einen besseren, schöneren oder funktionaleren Twitter-Client anbietet. Sobald Apple den Dienst übernehmen würde, und Mac OS X sowie das iPhone mit eigenen Applikationen ausstattet, verdient und nützt das nur Apple. Ich für meinen Teil würde mich freuen, wenn der Spielplatz noch weiter geöffnet bleibt. Mal davon abgesehen, dass nicht nur ich dieses Gerücht für sehr unwahrscheinlich halte.

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