Im Boxen nennt man das eine Kombination: Man bereitet mit der Führhand die Attacke vor, um den Gegner dann mit zwei aufeinander folgenden Schlägen hart zu treffen. In unserem Fall war der Boxer mit dem 1-2-Punch Apple, denn das Unternehmen hat gestern Abend bekanntgegeben, dass die 2009er MacWorld in San Francisco die letzte Macworld ist, auf der Apple präsent sein wird.
Und als ob das noch nicht reichte, setzte Apple zum harten Haken: Steve Jobs wird Anfang Januar nicht eine seiner legendären Keynotes halten. Er wird nichts sagen oder präsentieren und die gesamte Computerindustrie mit neuen Produkten durchschütteln. Er kommt nämlich gar nicht erst. Dafür darf Phil Schiller ran. Na super.
Messen sind für Apple also nicht mehr der zeitgemäße Weg, um neue Produkte zu präsentieren. Zudem müssen sie nicht mehr pünktlich zu einer geplanten Keynote irgendwas aus dem Hut zaubern, um dann wie in jüngster Vergangenheit hin und wieder richtig hart zu langweilen. Apple hat damit endlich die totale Kontrolle über die Präsentation der eigenen Produkte erlangt.
Es stimmt schon: Messen sind antiquiert. Das stellen wir jedes Jahr auf der CeBIT fest. Allerdings war die Macworld in San Francisco etwas anderes. Sie war wie ein Pilgertreffen. Und ich sage das, obwohl ich selbst nie da war. Ich hatte meine Reise für 2010 inklusive Keynote schon fast fest eingeplant. Nun weiß ich, dass ich im Januar 2010 doch noch nichts vorhabe.
Ist der Abschied von der Macworld und Steves Keynote auch ein Abschied von Steve? Bereitet sich das Unternehmen darauf vor, sein allzu mächtiges und mythisch verklärtes Gesicht zu liften? Denn machen wir uns nichts vor: Steve ist Apple. Punktum. Oder kann mir jemand von Euch aus dem Stehgreif 10 andere CEOs mit ähnlichem Impact nennen? Seht Ihr.
Es wäre konsequent, wenn Apple mit dem Abschied von Messen und livegestreamten Keynotes auch den Abschied von Steve Jobs vorbereitete. Kein Aktienkurs eines Unternehmens ist so sehr an den Gesundheitszustand des eigenen Chefs gekoppelt wie der von Apple. Geht es Steve schlecht, geht es Apple schlecht. Und da der Börsenhandel abseits aller Zahlenspielereien ein höchst emotionaler Markt ist, kann ich die Entscheidung - sollte sie denn so aussehen - gut verstehen. Mit harten Schnitten kennt sich Apple ja bestens aus. Ich sage nur Firewire... Allerdings kann ich mir Apple ohne Steve nicht ansatzweise vorstellen.
Als Macianer bin ich erschüttert. Denn ich hatte mir fest vorgenommen, Steve mal in echt auf der Bühne zu erleben. Ich wollte einmal live dieses Kribbeln erleben, dass Steve bei mir seit Ende der 90er auslöste, wenn er die Bühne rockte. Daraus wird nun nichts mehr.
Macworld-Cover gefunden bei MacMothership
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