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21.10.2008 - 10:27 - Dirk Kirchberg

Web 2.0 – Die schnellste Gerüchteküche der Welt

Dieser Tage findet in Berlin die Web 2.0 Expo von Tim O'Reilly statt. Das Mitmachweb und seine Macher aus der ersten Reihe wollen darüber diskutieren, wo es hingeht, welche Möglichkeiten bestehen, das Web weiter zu verändern. Dabei hat es uns alle doch schon verändert. Und das nicht immer zum Besten.

Gestern habe ich bereits ein Beispiel beschrieben, das eine gute Absicht verfolgte und letztlich doch scheiterte, zumindest am selbst gesetzten Ziel. Der Erfolg war, innerhalb von etwas mehr als zwei Tagen viele hunderte Menschen (wenn nicht sogar mehr) zusammenzubringen, auf ein Ziel einzuschwören und dieses durch alle Zeitzonen zu verfolgen.

Es geht aber auch noch schlimmer. Denn der große Vorteil des Netzes – seine Direktheit, seine Einfachheit und seine Schnelligkeit – ist auch sein sein größter Nachteil. Denn niemand kontrolliert mehr genau, wer was behauptet und ob etwas stimmt. Unsere Angewohnheit von Copy-paste macht uns leider sehr anfällig für Falschmeldungen.

So geschehen von vor fast zwei Wochen, als ein User via eine Bürgerjournalismusseite, die CNN gehört, verkündete, Steve Jobs habe eine Herzattacke erlitten und liege im Krankenhaus. Innerhalb von Minuten sprintete diese Meldung um den Globus und löste am Aktienmarkt einen sofortigen Einbruch des Apple-Papiers aus. Eine Stunde später stellte sich heraus, dass das alles totaler Quatsch gewesen war.

Steve Jobs ging es gut, aber an der Börse waren Milliarden verbrannt. Und das nur, weil ein User, der vorher noch nie eine Meldung gepostet hatte, eine falsche Nachricht online stellte. Auch ich habe damals diese Meldung weiterverbreitet, weil ich damals der Überzeugung war, dass in diesem Fall das öffentliche Interesse über die Meldung an sich größer war als der Wahrheitswert der Nachricht. Oft genug werden Meldungen auch von Nachrichtenagenturen verbreitet, die alle aufnehmen und verbreiten, nur um dann später die Meldungen zurückzuziehen, weil sich diese als falsch herausgestellt hatten.

Erinnern wir uns: Steve Jobs ist dieses Jahr auch schon mal gestorben, laut Bloomberg, die inklusive eines sehr langen Nachrufes an alle Newsdesks geschickt wurde.

Werden wir aus diesen Vörfällen lernen? Ich befürchte nicht, denn letztlich sind wir alle irgendwie Voyeure, nur dass wir keine Ferngläser und keine Leiter mehr brauchen, um auf den Baum zu klettern, von dem man aus über den Zaun ins Schlafzimmer der Nachbarin schauen kann. Wir posten den Zaun einfach um…

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21.10.2008 - 11:00 - (slackstar)


Zitat:
"Das Ende der Privatheit
Ob wir mit biometrischen Pässen reisen oder mit Kundenkarten einkaufen, per Handy telefonieren oder im Internet unterwegs sind: überall hinterlassen wir Datenspuren, ob wir wollen oder nicht.
Welche Informationen kursieren über uns, und wer nutzt sie? Zur Sorge um den gläsernen Bürger kommt die Angst vor dem Datenklau.
Andererseits sind viele Menschen nur zu bereit, ihr Privatleben öffentlich zu machen, sei es in Fernsehshows, Chatrooms oder auf der privaten Homepage. Öffentlichkeit schafft Aufmerksamkeit – ist die Privatsphäre als Schutzraum also gar nicht mehr gefragt?
WDR 5 widmet sich diesen Fragen in konzentrierter Form. In einer Themenwoche vom 20. bis 26. Oktober geht es in vielen Sendungen um das Ende der Privatheit."

Link: http://www.wdr5.de/wdr-5-startseite/das-ende-der-privatheit.html

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