Aufregend war‘s. Spannend. Nerven zerreißend. Und spaßig natürlich auch. Vor allem den amerikanischen KollegInnen dabei zuzuhören, wie sie bei jeder Bewegung und bei jedem Wort von Steve schon fast hysterisch ausgeflippt sind. Auf einem Beatles-Konzert war es bestimmt nicht minder laut. Aber ganz ehrlich: Irgendwann hat es uns auch erfasst, dieses Ich-klatsch-für-Steve-Fieber. Aber der Reihe nach.

Allein das Warten vor der großen Keynote-Halle war die Reise wert. Viele junge und weniger junge Menschen, die mit großer Vorfreude und großer Gespanntheit darauf warten, dass ihnen der Messias selbst erscheint. Ach nein, dabei handelt es sich ja „nur“ um eine ganz irdische Gestalt aka Steve Jobs, der sich einmal mehr im kalifornischen San Francisco anlässlich der Macworld Expo auf die Bühne stellt und seine Gebote verkündet. Es waren zwar nicht zehn und auch nicht in Steintafeln gemeißelt, aber nicht minder verheißungsvoll. Und das waren die Highlights der Keynote of his Steveness:
Klar, ein Rückblick auf das abgelaufene Jahr musste sein. Eines der Highlights sind zweifellos die fünf Millionen Kopien von Mac OS X 10.5 „Leopard“, die Apple von Oktober bis Dezember verkauft hat. „Thank you für eine tolles Jahr!“
Dann ging‘s aber ganz schnell ins Eingemachte, und Steve präsentierte gleich die erste Neuvorstellung: Time Capsule, eine auf 802.11n-basierende, externe Festplatte inklusive Router, die es wahlweise mit 500 GByte oder 1 Terabyte zu kaufen gibt. Damit entfällt endlich das permanente An- und Abstöpseln der Time-Machine-Platte für jedes Backup, das man fahren will. Damit lassen sich sogar mehrere Macs parallel datensichern.
Die Preise sind ok: für 500 GB zahlt man 299 Euro, für 1 TB werden 499 Euro fällig. Das entspricht exakt den Dollar-Preisen. Ja, ein starker Euro ist nicht für alle ein Segen. Außerdem kann man Time Capsule erst ab Februar bei uns kaufen.
Dann folgte das von mir sehnlichst erwartete Firmware-Update 1.1.3 für das iPhone. Allerdings fällt es nicht so spektakulär aus, wie wir das erwartet haben.
Aber die neuen Features sind trotzdem ganz nett: Google Maps wird um den Locator erweitert, eine Funktion, mit deren Hilfe der Standort des iPhones ermittelt werden kann. Das freut bestimmt FBI und CIA.
Allerdings bleibt abzuwarten, ob die Locator-Funktion auch bei uns funktioniert, da die notwendigen Arbeiten hauptsächlich in den USA und Kanada vorgenommen wurden. Weitere Features: Multi-SMS, so genannte Webclips, mit denen sich Bookmarks auf der Startseite platzieren lassen, frei platzierbare Symbole auf der Startseite und neue Video- und Audiofunktionen. Wir werden alle neuen Funktionen hier besprechen, sobald wir das Update installiert und genauer unter die Lupe genommen haben.
Für den iPod touch gibt es diese neuen Features übrigens auch plus Apple Mail, Aktienkurse, Notizblock und Wettervorhersage. Umsonst ist das für bereits gekaufte iPod touch allerdings nicht: 20 Dollar kostet das Update, erhältlich direkt via iTunes.
Dann kam Steve zum nächsten Punkt, dem bereits oft vorhergesagten Videoverleih via iTunes.
Dort lassen sich – allerdings erst mal nur für US-Anwender – DVD-Filme sämtlicher Hollywood-Majors für 2,99 US-Dollar (bereits erhältliche Titel) oder 3,99 Dollar (für Neuerscheinung) für 24 Stunden ausleihen (für HD-Qualität kommt jeweils ein Dollar obendrauf). Dabei spielt es keine Rolle, ob man den Film auf dem Mac oder iPod oder iPhone gucken will, solange 24 Stunden nicht überschritten werden, und das innerhalb eines Zeitraums von 30 Tagen. Mal sehen, wann der Apple Videoverleih nach Deutschland kommt. Das Ganze läuft natürlich über iTunes Music Store, klar.
Aber auch direkt über Apple TV, die Streamingbox aus Cupertino. Und das war der nächste Knüller, den Mister Jobs aus dem Hut zauberte. Ist aber auch notwendig, dass man dem schwächelnden Patienten Apple TV eine kleine Vitaminspritze verabreicht.
Die Kernbotschaft: Apple TV funktioniert jetzt ganz ohne Mac und iTunes. Der Trick dabei: Man greift direkt über den angeschlossenen Fernseher und Wireless LAN via Internet auf das Film- und Podcast-Archiv von Apple zu. Darüber hinaus lassen sich auf diesem Weg Flickr-, .mac- und YouTube-Inhalte auf den Fernseher zaubern und dort ansehen. Sehr cool! Und das Beste daran: Für bestehende Apple-TV-Besitzer gibt‘s das notwendige Software-Update für null Euro.
Und das neue Apple TV kostet ab sofort nicht mehr 299 Dollar, sondern nur noch 229 US-Dollar. Apple TV ist tot, lange lebe Apple TV!
Dann kam das, worüber sich ganz viele Menschen im Vorfeld das Hirn zermartert haben: „There‘s something in the air“?! Na was wohl: das laut Apple dünnste Notebook der Welt mit dem eindeutigen Namen MacBook Air. Da sind die Leute echt ausgeflippt. Aber es ist auch ein unglaubliches Produkt: Das MacBook Air ist an der dicksten Stelle gerade mal 0,76 Zoll hoch, was 1,93 Zentimetern entspricht. Und die schmalste Stelle an der Vorderseite misst unfassbare 0,16 Zoll. Das sind aufgerundete 0,41 cm! Also nicht mal einen halben Zentimeter! Wow! Dafür hat Apple sogar seine Standardschrift „ausgedünnt“.
Aber trotz dieser Ausmaße und des geringen Gewichts von 1,36 kg bietet das MacBook Air (fast) alles, was man von einem Laptop erwartet: 13,3-Zoll-Display mit LED-Hintergrundbeleuchtung, was gut für die Akkulaufzeit ist (die Apple mit guten 5 Stunden beziffert). Eine iSight-Kamera für Videochats. Eine vollausgestattete Tastatur mit Hintergrundbeleuchtung für dunkle Räume. Ein Multitouch-Touchpad, das Gestures unterstützt, wie man dies vom iPhone her kennt (damit lassen sich beispielsweise Bilder drehen, vergrößern und verschieben!). Eine 80-GB-Festplatte oder wahlweise ein 64-GB-SSD-Modul.
Und letztlich ein Core 2 Duo Prozessor mit 1,6 GHz (Standard) oder 1,8 GHz für die „Poweruser“. Hierfür hat Intel sogar dem Core 2 Duo eine Sonderanfertigung spendiert, die eine um 60 Prozent verkleinerte CPU-Modulfläche ermöglicht. Nur so passt die ganze Elektronik und Technik in das MacBook Air. Paul Otellini, CEO von Intel, hat es sich übrigens nicht nehmen lassen, Steve eine solche Maßanfertigung als Souvenir auf der Bühne zu überreichen.
Natürlich kommt das MacBook Air mit sämtlichen drahtlosem Schnickschnack, den man so braucht: Wireless LAN à la 802.11n und Bluetooth 2.1+EDR. Selbstverständlich passt in das Notebook kein DVD-Brenner, den es aber für 99 US-Dollar als externes USB-Gerät zu kaufen gibt. Aber laut Steve ist eine solche Komponente ohnehin nicht mehr notwendig, da die Anwender dank Apple Filmverleih keine Video-DVDs mehr brauchen, die Audio-CDs auf den iPod verlagern und selbst die Software-Installation in Zukunft drahtlos erledigen können.
Hierfür spendiert Apple dem MacBook Air eine eigene OS-Funktion, die sich Remote Disk nennt und mit deren Hilfe jedes DVD-Laufwerk drahtlos eingebunden werden kann und man auf diesem Weg neue Software auf das MacBook Air kopiert. Das ist wohl das Ende des Datenträgers. Zumindest in Jobs' Augen...
Ach ja, die Preise: die kleine Variante mit 1,6 GHz, 2 GB RAM und 80 GB Festplatte gibt es bereits für 1.699 Euro zu kaufen, die große Option kostet 2.868 Euro (1,8 GHz, 2 GB RAM und 64 GB SSD). Verfügbar sind die Laptops laut Apple-Store allerdings erst in zwei bis drei Wochen. Solange müssen Sie sich schon noch gedulden auf den neuesten Coup von Apple.
Unser Fazit? Toll war‘s. Aufregend. Spannend. Und emotional. Das schafft wahrscheinlich nur Apple, in ein Stück Technik soviel Gefühl zu projizieren. Danke, Mister Jobs! See you next year at Macworld Expo 2009. Und wir gehen so schnell wie möglich zum Apple-Stand (mit all den anderen Menschen), um MacBook Air, Apple TV und Co. ganz nah zu erleben.
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SJ Keynote, MacBook Air und mehr – das war die Macworld Expo 2008
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