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01.08.2007 - 11:09 - Michael Hülskötter

Akku-Wirrwarr rund um das Apple iPhone

Apple iPhone (Foto: Apple)Mit der Anfang dieser Woche bekannt gewordenen Sammelklage gegen Apple ist wieder einmal das Thema Akku-Haltbarkeit hochgekocht. Worum geht es? Ein Anwalt will gegen den iPhone-Hersteller vorgehen, weil die wieder aufladbare Batterie nur eine begrenzte Haltbarkeit von rund 300 Ladezyklen haben soll und sich nicht durch den Anwender ersetzen lässt.

Statt dessen muss das iPhone zum Hersteller eingeschickt werden. Das kostet nicht nur Geld, sondern die Benutzer müssen in dieser Zeit auch noch auf ihr Telefon verzichten. Obendrein wird dabei der Speicher gelöscht, so dass alle Daten verloren gehen.

Die Frage ist, ob das ganze “Akku-Problem” wirklich relevant ist. Zu Zeiten, als es lediglich Ni-Cd-Akkus gab, musste man peinlich darauf achten, den Akku jedes mal vollständig leer zu fahren und ihn auch wieder vollständig zu laden. Tat man das nicht, setzte der so genannte Memoryeffekt ein. Dabei schrumpfte die Kapazität des Akkus beträchtlich und ließ sich nur teilweise wieder nach oben treiben. Durch so genanntes Trainieren, also das mehrmalige vollständige entleeren und wieder laden.

Mit Einzug der Li-Ionen und Li-Polymer-Akkus hat sich die Situation grundlegend geändert. Der Memory-Effekt verschwand praktisch vollständig. Der Akku kann jederzeit geladen werden, egal wie der Füllstand ist, ohne dass der Akku dabei beschädigt wird.

Und damit kommen wir zu den in der Klage erwähnten 300 Ladezyklen. Zunächst einmal bleibt festzuhalten, Li-Ionen-Akkus altern. Wie schnell, hängt von der sachgemäßen Lagerung, der Verwendung und dem richtigen Laden ab. Für letzteres sorgt eine ausgeklügelte Elektronik. Denn Li-Ionen Akkus dürfen beispielsweise nicht zu weit entladen werden, da sie sonst kaputt gehen, ein Überladen kann zu einer Explosion führen. Deshalb sollte man tunlichst nur die Original-Ladegeräte verwenden.

Für die begrenzte Haltbarkeit der Li-Ionen-Akkus ist ein simpler chemischer Prozess verantwortlich, bei dem das Lithium mit dem im Akku enthaltenen Elektrolyt reagiert und unbrauchbar wird. Das geschieht sehr langsam, begrenzt aber auf Dauer doch die Kapazität. Einfach durch die Tatsache, dass das Lithium welches für die stromerzeugenden Li-Ionen sorgt immer weniger wird.

In der Klage liest sich das so, dass der iPhone-Akku nach 300 Ladezyklen unbrauchbar wird. Das ist falsch. Denn erstens spricht Apple auf seinen Support-Seiten von 400 Ladezyklen und zweitens ist der Akku danach nicht kaputt, sondern lediglich seine Ladekapazität hat sich auf 80 Prozent des ursprünglichen Wertes verringert. Er ist also keineswegs unbrauchbar.

Woher kommen also die 300 Ladeyzyklen? Wahrscheinlich hat der Anwalt die falschen Akku-Daten abgeschrieben. Denn Apple gibt genau diesen Wert für seine Notebook-Akkus an. Beim iPod und iPhone hingegen spricht der Hersteller von 400 Ladezyklen.

Ein weiteres Problem: Der Klage erhebende Anwalt erweckt den Eintruck, dass der Akku unbrauchbar ist, nachdem er 300 mal an das Netz gehängt wurde. Das ist falsch. Ein Ladezyklus besteht aus dem vollständig Entladen und wieder aufladen. Das bedeutet: Ist der Akku halbleer und wird anschließend voll geladen, dann ist das auch nur ein halber Ladezyklus. In der Praxis bedeutet das, dass man den Akku wesentlich öfters ans Netz hängen kann, denn nicht immer ist der Akku wirklich leer und nicht immer wird der Akku vollständig geladen.

Bei meinem Powerbook, der ja ebenfalls mit einem Li-Ionen-Akku läuft, gibt der System-Profiler (Blauer Apfel/Hardware/Stromversorgung) zu Protokoll, dass der Akku in den letzten eineinhalb Jahren 215 Ladezyklen durchlaufen hat. Und das bei täglicher (auch am Wochenende), exzessiver Nutzung, wobei er praktisch jeden Tag vom Akku läuft, etwa bei Meetings oder wenn ich unterwegs bin.

Seine Kapazität liegt momentan bei 4099 Milli-Amper-Stunden. Als er neuwertig war, lag sie bei 4400 Milli-Amper-Stunden. Er besitzt also noch 93 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität.

Allerdings darf nicht verschwiegen werden, dass Li-Ionen-Akkus in der Herstellung - nun, sagen wir mal - sehr heikel sind. Das haben nicht zuletzt die Notebook-Akku-Brände und Rückruf-Aktionen der vergangenen Jahre gezeigt. Es kann also durchaus sein, dass man einmal einen schlechten Akku erwischt, der schon nach kurzer Zeit kaum Leistung bringt.

Hinzu kommt, dass ein Handy grundsätzlich ohne Stromnetz betrieben wird, dass heißt die von Apple angegebenen 400 Ladezyklen werden wesentlich schneller erreicht. Dieses Phänomen kennt man auch von herkömmlichen Handys. Am Anfang hat man eine tagelange Stand-by-Zeit, doch diese reduziert sich binnen Monaten merklich.

Irgendwann muss der Akku dann doch getauscht werden. Anwendern, die nur wenig telefonieren bleibt dieses Schicksal meistens erspart. Denn nach zwei Jahren erhalten die meisten Nutzer sowieso ein neues Handy und damit einen frischen Akku. Vieltelefonierer und Poweruser jedoch brauchen schon mal einen neuen Akku. Das ist auch kein Problem (von den Kosten abgesehen), denn man kann den Akku ja selbst tauschen. Man muss also weder auf sein Handy verzichten, noch gehen die Daten verloren.

Nicht jedoch beim iPhone. Hier muss das Gerät eingeschickt werden, man muss also tagelang auf sein Handy verzichten. Nicht ganz so schlimm ist der Verlust der Daten, denn die befinden sich ja normalerweise sowieso auch auf dem Computer. In den USA tauscht Apple übrigens den iPhone-Akku kostenlos aus, wenn die Kapazität unter 50 Prozent innerhalb der Garantiezeit fällt. Danach werden 79 Dollar plus 6,95 Dollar für den Versand fällig.

Alles in allem ist die Klage also doch irgendwie gerechtfertigt, auch wenn die Argumentation übertrieben bzw. teilweise nicht richtig ist. Eine ähnlich Klage den iPod betreffend hat übrigens schon einmal zum Erfolg geführt. Damals, im Sommer 2005 hat sich Apple mit den Klägern (1,3 Millionen iPod-User) geeinigt. Als Kompensation gab es wahlweise einen 50 Dollar Gutschein oder einen Nachlass auf einen neuen Akku.

Links: Klageschrift zum iPhone-Akku, Infos von Apple zum: iPhone-Akku, Notebook-Akku, iPod-Akkus, Ersatz-Akkus für iPhone, iPod und Apple-Notebooks (US), Ersatz-Akkus für Notebooks und iPods (D), Tipps für iPod-Akkus

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