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25.10.2008 - 12:05 - Dirk Kirchberg

Apple und die Bürgerrechte: All You Need Is Love

Endlich, es wurde aber auch Zeit! Apple beweist mal wieder, dass sie mehr können als Kisten zu entwerfen, die zugegebenermaßen schicker und neuerdings auch kleiner sind als die der Konkurrenz. Apple stand Ende der 90er Jahre für ein Lebensgefühl, eine Überzeugung, dass diejenigen, die sich trauen, neue Wege zu gehen und ihren Gedanken freien Lauf zu lassen, nicht verrückt sind, sondern diejenigen, die uns als Menschheit weiterbringen. Nun hat sich Apple öffentlich für das Recht von homosexuellen Paaren auf eine gleichberechtigte Ehe ausgesprochen.

Kalifornien mit seinen kalorienbewussten Restaurants, seinen Fitnessstudios, seinen fortschrittlichen Umweltgesetzen – und das unter dem Terminator! – und einer bunten Mischung an Menschen aus allen Kulturen und Erdteilen steht für das Lebensgefühl der unbegrenzten Möglichkeiten, jenes amerikanischen Lebensgefühls von Freiheit und Chancengleichheit, das mich als Teenager so begeistert hat und mir in den vergangenen acht Jahren abhanden gekommen ist.

Konservative Kreise wollen der kalifornischen Verfassung nachhaltig Gewalt antun. Zur Erinnerung: Das oberste kalifornische Gericht hatte im Mai in einer Aufsehen erregenden Entscheidung das Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe für verfassungswidrig erklärt und damit den Weg für die Hochzeit von Schwulen und Lesben freigemacht. Konservative Aktivisten, die sich für die so genannte Proposition 8 stark machen, wollen das Recht per Volksentscheid im November wieder kippen.

Und bei der Kampagne, bei der man mit "Nein" abstimmen muss, wenn man für gleichgeschlechtliche Ehen ist – hoffentlich verwirrt das die Amis nicht zu stark –, wird mit allen Tricks gearbeitet. Anrufe der Konservativen enden oft mit dem Hinweis, die Abstimmung am 8. November nicht zu vergessen. Die Abstimmung ist aber schon am 4. November.

Und anstatt sich auf die gleichgeschlechtliche Ehe zu konzentrieren, schüren die Konservativen die Angst vor Aufklärung über gleichgeschlechtliche Liebe in der Schule. Dabei haben Schulen und Kinder aber auch überhaupt nichts mit Prop 8 zu tun.

Viele Kreative, unter ihnen Brat Pitt und Steven Spielberg, haben bereits Geld gespendet, um die Kampagne No on Prop 8 weiter zu stärken. Auch Apple hat nun 100.000 Dollar gespendet und sich offiziell für die Gleichheit aller Menschen vor der Verfassung ausgesprochen. Die Spots der Initiative erinnern sehr stark an die aktuellen Apple-Spots.

"Apple is publicly opposing Proposition 8 and making a donation of $100,000 to the No on 8 campaign. Apple was among the first California companies to offer equal rights and benefits to our employees’ same-sex partners, and we strongly believe that a person’s fundamental rights — including the right to marry — should not be affected by their sexual orientation. Apple views this as a civil rights issue, rather than just a political issue, and is therefore speaking out publicly against Proposition 8."

Die Konservativen fühlen sich also bedroht. Ich frage mich nur: Von wem oder was? Seit Juni dürfen in Kalifornien homosexuelle Paare heiraten – und siehe da, die Welt ist nicht untergegangen. Die Konservativen sagen, die Ehe sei ein heiliger Bund zischen Mann und Frau. Und dabei dachte ich immer, dass es um Liebe zwischen zwei Menschen geht. Da wir alle gleich vor dem Gesetz sind – oder zumindest sein sollten –, würde Proposition 8 die Liebe zwischen zwei Männern oder zwei Frauen zu einer Liebe zweiter Klasse erklären. So wie wir das hier Deutschland übrigens bis heute tun mit der eingetragenen Lebenspartnerschaft. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Sogar in Spanien, dem erzkatholischen Land par excellence, ist die gleichgeschlechtliche Ehe gesetzlich erlaubt.

Ich kann nur sagen, dass ich kürzlich geheiratet habe, und ich mich in keinster Weise von der gleichgeschlechtlichen Ehe bedroht fühle. Wie könnte ich mich auch von der Liebe zwischen zwei Menschen bedroht fühlen? Dass Apple für die Liebe sozusagen auf die Straße geht und Geld spendet, ist eigentlich keine Überraschung. Wissen wir doch, was für ein leidenschaftlicher Beatles-Fan Steve Jobs ist. Und die Pilzköppe hatten schon Recht, als sie sangen: All You Need Is Love.

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Kommentare - 1 von 1

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malta

25.10.2008 - 13:54 - (claude)

Ich bin so enttäuscht von DIr. Jetzt, wo Du gerade Deine Hete geheiratet hast, solche Texte zu lesen. Schnüff.

Im Ernst: Ich sah vor einigen tagen im qualitätsfernsehen. (ich weiß nicht wo marcel rumzappt) eine Doku über Malta. DIE sind knüppelhart gegen homosexualität.
Das bracht mich auf die idee den Christopher Street Day nächstes Jahr von London, Amsterdam, Berlin, Köln UND San Francisco AUF MALTA zu veranstalten. Schließlich wollen die ja auch mehr Touristen. Anstatt 1 Millionen im Jahr - an einem Wochende.

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