"Nein, mein Haus fotografiert ihr nicht! Da kann ja jeder kommen!", so oder ähnlich muss es in mehreren norddeutschen Städten geklungen haben, als die Street-View-Aufnahmeteams anrückten. Ein bisschen Grinsen muss man da schon. Geht doch nicht, dass da einfach einer kommt und Fotos von meinem Häuschen ins Internet stellt. Und jeder darf gucken! Nachher sehen die meinen Sohn beim Nasebohren!
Trotzdem meldet sich dabei auch das Datenschützergewissen. Was ist mit Gesichtern, die mit verewigt werden? Kommt dann plötzlich ein Ehebruch erst nach drei Jahren wegen Google raus? Was ist mit den Autokennzeichen? Halt, das alles wird Google vorher rausnehmen. Dem Datenschutz ist also genüge getan. Oder nicht?
Seltsam fühlt es sich trotzdem an. Da knipst eine Firma ganz Deutschland Strasse für Strasse ab. Dürfen die das denn? Na klar, darf jeder. Aber wie wünschenswert ist es eigentlich, sich ganz Deutschland Strasse für Strasse angucken zu können? Schon komisch. Bleibt die Hoffnung, in der Masse unterzugehen: Denn wer sollte ausgerechnet meine Strasse betrachten wollen, wenn es noch so viele andere gibt. Aber was, wenn alle so denken?
Google Earth, Google Street-View, Google Maps, Google Books: Alle Informationen dieser Welt, durchsuchbar und für jeden zugänglich. Wie praktisch! Wie ungemein hilfreich! Ganz im Ernst: Ich liebe sehr viele Google-Funktionen. Unter anderem, weil mein Gedächtnis und mein Orientierungssinn mich oft genug im Stich lassen. Wenn ich eine Abkürzung weiß: Laufen Sie bloss in die andere Richtung!
In Zukunft dürfen wir mit Google DNA rechnen. Eine Datenbank mit genetischen Codes, natürlich durchsuchbar, anonymisiert, zugänglich für jeden. Für medizinische Forschungszwecke unbezahlbar. Und spannend. Wie wird das aussehen? Kann ich als normaler Durchschnittsbürger mit den Daten überhaupt etwas anfangen? Verstehe ich, was da steht? Trotzdem ein bisschen unheimlich. Die Bausteine von Milliarden Menschen, verfügbar in einer Datenbank. Ist doch alles anonym. Kann doch gar nichts passieren.
Aber wie anonym, wie unbekannt ist man noch, wenn alle diese Informationen bereits online sind? Und wie leicht wird es in Zukunft vielleicht sein, diese Daten zusammenzusetzen? Mit Hilfe eines Telefonbuchs und der Websuche findet man bereits so viel über andere Menschen heraus. Hinzu kommen Social Networking Plattformen wie Xing oder StudiVZ. Eine E-Mail-Adresse verrät mir vielleicht einen Nickname. Über die Websuche stoße ich auf eigentlich anonyme Forenbeiträge. Und plötzlich sind wir bei Stalking deluxe.
Wem nutzt das schon? Wer sollte das tun? Gute Fragen, auf die ich auch keine Antwort habe. Aber die Geschichte zeigt, dass sich jemand findet. Und vielleicht hilft es, wenn wir jetzt aufhören zu grinsen. Vielleicht ist deutsches Kleinbürgertum bald angesagter denn je, weil klein sein doch schöner ist, als gläsern.
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Google knipst gern, wird aber selbst ungern fotografiert:
http://www.derwesten.de/nachrichten/video/im-westen/2008/9/5/news-74231072/detail.html
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