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26.04.2008 - 09:19 - Dirk Kirchberg

Sankt Nimmerlein und die drei Frösche

Seit einiger Zeit denke ich viel über Zeit nach. Denn ich bin nahe dran, ein professioneller Prokrastinateur zu werden. Der deutsche Begriff der Aufschieberitis verniedlicht das Problem nur, das in Realität krank machen kann.

Es gibt verschiedene Ursachen, warum Menschen Dinge aufschieben bis zum Sankt Nimmerleins-Tag. Manche haben Angst davor zu versagen, andere Angst vor dem, was danach kommt. In meinem Falle handelt es sich schlichtweg um Desinteresse.

Wenn mich ein Thema, zu dem ich einen Artikel schreiben soll, beim besten Wille nicht interessiert, schiebe ich die Fertigstellung bis zur schmerzenden Deadline raus. Dann wird meist eine Nacht – und somit auch der nächste Tag… – geopfert, um den Kram doch noch gerade so pünktlich fertig zu bekommen.

Allerdings habe ich auch schon mein persönliches Armageddon erlebt: Ich habe einen Artikel zu einem Thema, das ich selbst vorgeschlagen habe, Wochen nach der allerletzten Deadline abgegeben. Und da hilft es leider auch nicht, dass vorbeifliegende Deadlines ein tolles Geräusch machen…

Randy Pausch ist selbst erklärter Experte auf dem Gebiet des Zeitmanagements. Der Mann weiß, wie man aus der wenigen Zeit, die einem bleibt, das Optimale rausholt. Pausch muss es wissen, sollte er doch eigentlich schon seit mindestens einem Jahr tot sein.

Pausch ist Professor, 47 Jahre alt, dreifacher Vater – und er hat Bauchspeicheldrüsenkrebs. Zusätzlich sind seine Leber und Milz befallen. Den Mann wird keine derzeitige Behandlung heilen. Alle neuartigen Therapien werden ihm nur einen Aufschub verschaffen können.

Daher hat er sich Gedanken darüber gemacht, warum wir die Dinge tun, wie wir sie meist tun. "Wir sollten die Dinge nicht richtig, sondern die richtigen Dinge tun." Der Mann ist mein persönlicher Guru geworden. Und auch wenn seine Ordnungswut ein wenig zwanghaft anmutet, so sind seine Vorschläge doch einleuchtend: "Wenn Du einen Frosch essen musst, fang nicht damit an, ihn anzustarren. Und wenn Du drei Frösche essen musst, beginne nicht mit dem kleinsten." Dieses Bild werde ich nie mehr vergessen.

Warum ich das hier schreibe? Weil ich denke, dass es vielen dort draußen genauso geht. Und alle denken, sie wären die Einzigen, die auf einer einsamen Insel sitzen, während alle anderen auf dem großen Schiff des Erfolges gen Horizont gleiten. Lasst Euch gesagt sein: Ihr seid nicht allein! Von uns Aufschiebern gibt es mehr, als wir glauben.

Wo wir gerade beim Aufschieben sind: Seit Monaten nehme ich mir regelmäßig erneut vor, die Samstags-Kolumne schon am Freitag zu schreiben. Und wie oft habe ich es bisher geschafft, die Kolumne am Freitag bereits zu schreiben? Richtig: Kein einziges Mal…

Aber ich werde mich bessern. Versprochen. Gleich morgen.

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