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12.04.2008 - 13:13 - Dirk Kirchberg

Twitternde Soapfans, Jack Bauer und die kritische Masse

Papa hat gesagt, man solle nicht über Orte schreiben, bis man diese nicht wieder verlassen hat. Denn das gebe einem erst Perspektive. Recht hat. Die re:publica 08, die Web-Konferenz zum Thema Die kritische Masse, ist seit einer Woche vorbei, und ich bin mittlerweile zu dem Schluss gekommen, dass solche Veranstaltungen viel häufiger stattfinden sollten. Nicht nur alle 12 Monate.

Johnny Haeusler (Spreeblick.com) und Verena Wiedemann (ARD–Generalsekretärin)

Johnny Haeusler (Spreeblick) und Verena Wiedemann (ARD–Generalsekretärin)

Warum? Weil diese Foren abseits der ganzen technischen Diskussionen den Kopf fordern. Wohin entwickelt sich dieses saujunge Medium Internet? Nicht vergessen: Massenkompatibel ist dieses Medium vielleicht seit 10 Jahren. Eine lächerlich kurze Zeit, weltgeschichtlich gesehen. Aber wie kaum eine andere Erfindung hat es die Art unserer Kommunikation komplett revolutioniert.

Wenn wir einmal überlegen, dass es Youtube beim letzten US-Wahlkampf noch gar nicht gab, diese Plattform heute aber wie kaum eine andere dieses Ereignis begleitet – und prägt! –, dann bekommen wir vielleicht eine Idee, wie einschneidend dieses Medium unsere Welt verändern wird.

Ich bin wahrlich kein Visionär. Aber selbst ich erahne, dass wir noch nicht einmal ansatzweise das Potential des Internets nutzen. Thomas Knüwer schrieb sehr richtig: »Wir sind Kinder in einem bestenfalls pubertären Medium.« Lasst uns langsam und mit viel Spaß erwachsen werden.

Um zu zeigen, wie unvisionär ich bei solchen Dingen bin: Ich fand diesen ganzen Twitter-Hype während der re:publica mit Twitter-Wand ein wenig übertrieben, wenn auch teilweise lustig. Aber ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, selbst zu twittern. Alexander Broy, Autor von Schundromanen, erklärte mir Twitter so: »Wer Soaps schaut, twittert auch.« Damit war das Kapitel eigentlich für mich abgeschlossen.

Doch ein paar Tage nach der Konferenz reaktivierte ich mein Twitter-Konto, suchte nach Menschen, die ich während der re:publica kennen gelernt hatte, abonnierte deren Tweets, las, lachte – und fing selbst an, zu twittern. Heute, etwa eine Woche später, lese ich die Tweets von 53 Menschen, die meisten davon habe ich noch nie persönlich gesprochen. Mir folgen auch schon 31 Twitterer.

Es ist lustig, aufmunternd und stressabbauend, während eines langen Arbeitstages am Computer mal eben eine kleine Nachricht in den Äther zu schicken. Und vielleicht eine kleine aufheiternde Antwort zu bekommen. Und immer wieder bekommt man auch gute Informationen, Denkanstöße und Links, die einem nach dem Prinzip der Serendipity in immer weitere Sphären katapultiert.

Wer Soaps schaut, twittert auch. Dieser Satz geht mir nicht aus dem Kopf. Und ich habe beschlossen: 24 ist ab heute für mich eine Soap.

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