Seit acht Tagen überschlagen sich die Wirtschaftsredaktionen, denn seit acht Tagen wird spekuliert, ob Microsoft den Konkurrenten Yahoo übernehmen darf oder nicht. Google, der dritte Konkurrent im Bunde, hat etwas dagegen, dass Microsoft sich Yahoo einverleibt und führt kartellrechtliche Gründe ins Feld, die auch gegen eine Übernahme Yahoos durch Google sprechen. Das Spiel heißt Monopolbildung. Sollten die Unternehmen gewinnen, verlieren: wir.
Über die Gründe, warum Microsoft nun denn unbedingt Yahoo schlucken will, wird munter spekuliert. Wie kommt Microsoft auf die Idee, rund 45 Milliarden Dollar zu bieten? Zur Erinnerung: Microsoft hat im vergangenen Jahr 51 Milliarden Dollar eingenommen. Eine solche Investition ist also schon ein riesiger Schritt, auch bei den Reserven, über die Microsoft verfügt.
Worum geht es Microsoft? Sicherlich auch ein wenig um die Suchfunktion von Yahoo, mit der der man, bekäme man sie denn, Google sicher unter Druck setzen könnte. Aber das scheint eher ein Nebenaspekt zu sein.
Auch der Bereich der Internetwerbung, der von Jahr zu Jahr beträchtlich wächst, dürfte eher von peripherem Interesse sein. Denn so verlockend Werbung auch ist – Microsoft verdient sein Geld mit: Lizenzen. Und da liegt der Hase im Pfeffer.
Denn Microsoft dürfte es es nicht um eine geniale Suchfunktion und damit verbundene Werbegelder gehen, auch wenn Google damit zu einem Monstrum von Unternehmen geworden ist. Wie gesagt, das Stichwort heißt Lizenzen. Noch haben Nutzer auf ihrem Computer die Programme installiert, die sie brauchen und täglich benutzen. Sie müssen dafür Updates suchen oder durch andere Programme suchen lassen, diese installieren, auf Kompatibilitäten achten – insgesamt eigentlich sehr 20. Jahrhundert.
Google Docs und Zimbra, eine Yahoo-Tochter, machen vor, wie die Zukunft aussehen dürfte, auf den schönen Namen Cloud Computing hört: Programme und Daten liegen nicht mehr auf dem Computer, sondern auf riesigen zentralen Servern. Von überall kann der Nutzer auf die neueste Programmversion und die aktuelle Dokumentenversion zugreifen und daran weiter arbeiten. Und während dieser Service für den privaten Gebrauch nichts kostet, zahlen Unternehmen für den Service, bei Zimbra 50 Dollar pro Jahr und Lizenz.
Microsoft dagegen verlangt für eine Office-Lizenz zwischen 60 und 300 Dollar pro Lizenz pro Jahr. Und der Update-Ärger sowie die dezentrale Dokumentenlagerung bleiben bestehen. Die Zukunft liegt also nicht nur für sinnfreie Filme im Netz, sondern auch für seriöses Arbeiten. Und das ist der Kuchen, von dem Microsoft nicht nur Krümel will, sondern am besten das gesamte Blech.
Jetzt ergibt auch das Engagement von Google einen Sinn. Google sucht nämlich händeringend nach anderen Interessenten für Yahoo, weil man selbst nicht übernehmen darf. Am gestrigen Freitag sollte eigentlich bei Yahoo entschieden werden, wie es weitergeht. Bisher ist nichts bekannt geworden. Wir müssen also warten, was aus der Zukunft wird. Bis dahin können die Damen und Herren bei Google weiter an den eigenen AGBs schnitzen, bis sie nicht mehr an den Großen Bruder erinnern. Und wenn sich Google wirklich ans eigene Motto Do no evil hält, könnte der Kampf gegen Microsoft zu einem Kampf zwischen Gut und Böse werden. Denn auf welcher Seite der kreischende Steve Ballmer tanzt, steht ja wohl außer Frage...
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