Als in Großbritannien CDs mit persönlichen Daten von mehr als 150.000 Bürgern verschwanden, wunderte ich mich über die Schlampigkeit. Dann verschwand der Laptop eines Militärs mit Angaben zu 600.000 Angehörigen und Bewerbern der Royal Navy. Insel eben, dachte ich.
Aber nun wurden Bundesjustizministerin Brigitte Zypries nicht einer, sondern gleich zwei Laptops gestohlen. Und die Dame hat hat den Diebstahl erst nach einer Woche bemerkt. Ein Ermittler nannte den Diebstahl chirurgisch. Dieses Wort erinnert mich irgendwie an die Bombenangriffe der Amerikaner auf den Irak. Dank dieser chirurgischen Präzision starben damals Tausende Zivilisten. Wer weiß, ob sich die Daten auf den Laptops der Ministerin nicht auch noch von brutaler Sprengkraft erweisen.
Der aktuelle Fall von Schlampigkeit veranlasste mich heute morgen dazu, den Sportteil wegzulegen und ein wenig über die aktuelle Diskussion zu den Themen Terrorismusbekämpfung und Vorratsdatenspeicherung nachzudenken.
Innenminister Schäuble möchte immer mehr: Mehr Daten, mehr Kameras, mehr Sicherheit. Aber gerade letztere lässt sich eben nicht mit der Beschneidung von Freiheits- und Bürgerrechten erkaufen. Dennoch soll uns andauernd weißgemacht werden, dass die da oben genau wüssten, was zu tun ist. Solche Pannen lassen mich allerdings erschaudern. Denn wenn bei der besten Terror- und Spionageabwehr Diebe einfach mal Dir nichts mir nichts der BUNDESJUSTIZMINISTERIN zwei Laptops klauen können, glaube ich nicht, dass es besser ist, wenn diese politischen Dünnbrettbohrer noch mehr sensible Daten bekommen. Was sie nicht haben, kann ihnen nicht geklaut werden...
Medienberichten zufolge soll die Wohnung der Ministerin zum Zeitpunkt des Diebstahls nicht bewacht worden sein. Alles andere wäre aber noch peinlicher, als diese Nummer eh schon ist. Und dann sagte ein Ermittler diesen formschönen Satz: »Man kann nicht ausschließen, dass es sich um eine politisch motivierte Tat handelt.« No shit, Sherlock!
Was kommt als nächstes? Ein offenes Forum, in dem ich von der Regierung aufgefordert werde, die Daten, die sie bisher nicht erspitzeln konnten, doch bitte freiwillig zu ergänzen? Da bekommt der Begriff Gläserner Bürger gleich eine andere Wertigkeit. Allerdings vergessen Schäuble und Zypries, was passiert, wenn man plumpe und hetzende Parolen herausposaunt, um Angst zu erzeugen. Richtig, spätestens am Wahltag wird man dafür abgestraft. Wie der selbsterklärte Sprecher der »schweigenden Mehrheit«, von der wir nun wissen, dass es sie glücklicherweise nicht gibt: Roland Koch.
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