Vor zehn Jahren habe ich meinen ersten Computer gekauft. Nein, ich hatte keinen C64 und keinen ST. Ich fand das damals alles total öde. Und ich kann mich auch heute noch nicht für Donkey Kong oder Summer Games erwärmen. Mein erster Computer war ein PowerMac 6500/275, dazu gab es ein 33.6 Modem und einen 17-Zoll-Monitor.
Das Ding hatte ein Zip-Drive und war damals unschlagbar günstig. Ich war stolz wie Oskar. Denn immerhin hatte ich ein ganzes Jahr überlegt, was ich mir kaufen sollte – Mac oder PC. Als mein Kumpel Tilo mir in einer nächtlichen Session, nach einer echten Session, die Vorzüge des Macs (damals: ein SE, mit dem wir HipHop-Beats produzierten) wortwörtlich vor Augen geführt hatte, war meine Entscheidung gefallen, unumstößlich.
Seitdem habe ich nur mit und an Macs gearbeitet. Der Mac ist mir zwar nicht heilig, dann aber bis heute unübertroffen. Okay, sollte zu meiner Lebzeit das System von Jeff Han bezahlbar werden, würde ich wechseln. Aber bis dahin sehe ich keinen Grund, mich von X und etwaigen Nachfolgern abzuwenden.
Leider mischt sich immer mal wieder eine Dissonanz in meine Mac-Harmonie. Immer dann, wenn Apple als Unternehmen, der Apple-Service oder die Produkte einen im Regen stehen lassen. Was ich meine? Wer das fragt, hat noch nie auf der Apple-Hotline mit einem dieser Berater gesprochen und diesem zu vermitteln versucht, dass er nicht mit einem grenzdebilen User spricht. Oder hat nie versucht, bei Apple die Lösung zu einem Problem mittels dieses Online-Formulars zu erfahren, oder oder oder...
Ist Apple also nicht anders die anderen? Ich befürchte: Leider nicht. Bei mir brach eine Welt zusammen, als sich diese Erkenntnis langsam aber sicher ihren Weg in mein Bewusstsein bahnte. Ich dachte immer, Think Different wäre mehr als ein Slogan, ich nahm es als Glaubensbekenntnis, als Philosophie. Keine Werbekampagne hat mich so nachhaltig beeindruckt.
Aber dann wurde plötzlich das Image glatter, heute gibt es nicht einmal mehr einen Apfel auf der Tastatur. Es werden die Freaks nicht mehr berücksichtigt, die Keynote-Streams wurden abgeschafft. Mit dem Erfolg im Mainstream starb die Philosophie eines Unternehmens, das mich mit seiner Verrücktheit verzaubert hatte.
Erstaunlich, dass es eine solche Querdenkerbutze so weit gebracht hatte. Doch was ist heute davon übrig geblieben? iPhone-Sperren, viel zu teure .Mac-Accounts und eine Verarbeitungsqualität, die weit unter der der vergangenen Jahre liegt. Wer dem widerspricht, musste wohl noch nicht – glücklicherweise – wie ich mit drei DOA–MacBooks innerhalb von drei Tagen fertig werden. Im Vergleich dazu: Mein mittlerweile fast acht Jahre altes Pismo läuft trotz vieler Verletzungen immer noch zuverlässig – jeden Tag!
Was ich mir von Apple wünsche? Ein wenig mehr Gelassenheit. Ihr müsst nicht alles kontrollieren. Lasst den Usern die Entscheidung, was sie mit ihren Computern und iPhones machen. Das ist ihr Recht! Vergesst nicht, dass Ihr – Steve und Steve – als Hacker angefangen habt! In diesem Sinne wünsche ich uns allen am Dienstag eine spannende MWSF-Keynote, mit einem atemberaubenden One more thing… . Ich finde ja diesen iMac-Entwurf in Form einer Docking Station für ein Subnotebook echt sexy...
Stick it to me!
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