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31.12.2007 - 22:55 - Dirk Kirchberg

Es gibt noch Punsch

Seit Freitag sitze ich an dieser vermalledeiten Kolumne und kämpfe mit Romantizismen und pathetischen Momenten. Erst sollte dies hier eine seriöse Betrachtung von Zeit und Konturen werden, doch heute Abend bin ich einfach schon viel zu angetüdert. Aber vielleicht ist das auch genau die richtige Konstitution, um über solch ernste Dinge zu schreiben.

Ist es nicht so, dass wir die meiste Zeit die Dinge viel zu ernst nehmen? Wir sind extrem zielorientiert unterwegs, das Einzige, was interessiert, ist das Ergebnis. Dabei kann der Weg so viel lehrreicher sein.

Normalerweise bin ich ein Freund des Ankommens. Ich lasse mich aber auch gern treiben, wenn ich nämlich nicht vorher das Ziel definiert habe. Dann kann ich mich gehen lassen. Heraklit nannte das Phänomen der stetigen Veränderung durch den Fluss der Dinge bzw. des Lebens panta rhei. Nichts ist zweimal genau gleich.

Nicht weniger ausgeklügelt beschrieb Bruce Lee, wie er sich den perfekten Kampfstil vorstellte, der kein Stil mehr ist: »Empty your mind. Be formless, shapeless. Like water. Now you put water into a cup, it becomes the cup. You put water into a bottle, it becomes the bottle. You put it into a teapot, it becomes the teapot. Now water can flow, or it can crash. Be water, my friend...«

Wie Wasser sein – gerade mir, einem im Zeichen des Wassermanns Geborenen – gefällt diese Vorstellung. Und besonders Musik schafft es, dass ich mich treiben lassen will. Vor einiger Zeit hatte ich ja um Ratschläge gebeten, was ich mir denn für meine vier Gutscheine laden sollte. Doch wieder einmal kam es anders, als ich dachte. Denn als ich vom Geburtstag eines guten Freundes des Nachts nach Hause fuhr, lief im Nachtclub ein Stück von Burial. Nach all meinem erfolglosen Suchen fand die Musik mich.

Erst später lernte ich, dass es sich dabei um Dubstep handelt. Wie auch immer – diese Musik ist mein urbaner Soundtrack, wenn ich mit der Straßenbahn unterwegs bin. Genial minimalistischer Sound.

Und genau wie diese Musik sollten auch wir uns hin und wieder ziellos auf den Weg machen, uns treiben lassen. Denn dann könnte es uns wie DNA gehen, der einst feststellte: »I may not have gone where I intended to go, but I think I have ended up where I needed to be.«

So einfach kann manchmal Weisheit sein. Apropos Weisheit: Wenn wir schon bei Lebenskursen und wegweisenden Motti sind, dann möchte ich an auch noch an John Lennon erinnern, der sagte: »Life is what happens to you while you're busy making other plans.« Und weil Lennon – trotz Yoko – schlauer als die meisten war, gleich noch einen John-Spruch hinterher, an den wir uns erinnern sollte, wenn die ganze Produktivität mal wieder Überhand nimmt: »Time you enjoy wasting, was not wasted.«

In diesem Sinne wünsche ich Euch einen guten Start ins neue Jahr. Und denkt daran: Auch verwischte Konturen haben Kanten. Alles Gute für 2008!

P.S. Wer sich fragt, was diese Überschrift soll, der klicke hier. Prost Neujahr!

P.P.S. Weil wir gerade dabei sind: Julius Popps Kunstwerk – eines meiner liebsten –  Bit.Fall zur Unschärfe des Menschseins

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Kommentare - 2 von 2

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geschafft

31.12.2007 - 23:34 - (claude)

Wie immer pünktlich.
Ich bin auch schon angeschwippst.
"Junge, hol mal de Röntschenbilder"

Frohes Neues

Bit.fall

31.12.2007 - 23:54 - (claude)

Diese Installation ist der absolute Hammer. Das Beste aus zeitgenössischer Kunst auch für 2008.

Nach meinem Lottogewinn, kommt das in die Einganghalle.

endGeil.

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