Die Dame an der Tankstelle hatte ja keine Ahnung, was sie anrichten würde. Ich wollte mir eigentlich nur eine Dose Cola kaufen, eine Dose, wie früher, eiskalt und köstlich. Aber 1. sind die Dosen ja nicht mehr wie früher richtige Dosen, sondern so merkwürdig schlanke Designerdöschen. Und 2. bekommt man heute zu jedem Getränk gleich noch einen Gutschein für irgendwas. In meinem Fall einen Gutschein für ein Lied aus dem iTunes Music Store.
»Die will sowieso kaum einer haben, und ich vergesse auch andauernd, sie mitzugeben.« Sprach's und drückte mir mit einem verschwörerischen Lächeln gleich vier Gutscheine in die Hand. So nahm das Drama seinen Anfang.
Denn seit mittlerweile vier Tagen denke ich in jeder freien Minute darüber nach, welche Lieder ich mir bloß laden soll. Klar ist, dass es iTunes+ sein soll, denn schließlich wollen wir ja kein kastrierten Stücke in unserer Musikbibliothek für die Ewigkeit, richtig? Und so sitze ich stundenlang vor meinem MacBook und blättere abwechselnd durch meine Sammlung (4.321 Titel) und den iTMS, um herauszufinden, was ich noch nicht habe, unbedingt zu brauchen glaube und was als +Stück verfügbar ist.
Ist das nicht merkwürdig? Ganze Platten schmeiße ich einfach so in den Einkaufswagen, freue mich kurz darüber, dass z.B. Full Clip: A Decade of Gang Starr mit 17 Titeln oder die Beastie Boys Anthology mit 21 Titeln jeweils nur 11,99 Euro kosten, und denke nicht länger darüber nach. Aber bei vier Titeln, die einem geschenkt werden, mache ich einen Aufstand, als ob es um das ultimative konzentrierte Mixtape geht. Das ist doch verrückt! Von wegen, einem geschenkten Gaul würde man nicht ins Maul schauen.
Hier eine kleine Auswahl, der Lieder, die ich bisher im Einkaufswagen hatte, aber auch wieder gelöscht habe:
Imagine (2000 Remaster) von John Lennon
Living Darfur von Mattafix
The Heart Gently Weeps vom Wu-Tang Clan
High Hopes von Frank Sinatra
Casta Diva von Maria Callas
South Bronx von BDP
King Cobra von Herbie Hancock
Wenn ich mir diese kleine Liste anschaue, stelle ich fest, dass man über die Musikbibliothek eines Menschen einen spannenden Einblick in eine Person erhält. Nicht klar und deutlich umrissen, aber man erahnt, dass der Charakter des anderen vielleicht doch vielschichtiger ist, als man ihm bisher zugestehen wollte.
Musik verrät uns, wer wir sind – oder zumindest, wer wir nicht sind. Denn zu wissen, was man nicht will, ist ja auch eine Entscheidung. Vielleicht sogar die wichtigere, denn Nein sagen zu können, ist eine Tugend, so widersprüchlich das auch klingen mag.
Ich werde also dieses Wochenende damit verbringen, durch meine Musiksammlung zu blättern, hier und dort mal wieder reinzuhören, nachzudenken, welches Stück mir tatsächlich noch zur Glückseligkeit fehlt, um letztlich wahrscheinlich sowas wie Last Christmas von Wham zu laden, wobei mich dieses Stück eher im Sinne von haunt verfolgt als begleitet. Mir ist nach gestrigem Spiel von 96 gegen Cotzbus sowieso eher nach Marylin Manson zumute. Doch da brauche nix aus dem iTMS – Lest We Forget gehört schon lange zu meiner Sammlung. Nicht gerade passend zum dritten Advent, aber manchmal geht es nicht, so wie man will.
Bis ich meine vier Freilieder gefunden habe, höre ich noch eine Runde Musik von Pohlmann. Das mach ich mit Musik von Götz Alsmann und Mehr als Musik von D-Flame, wobei wir immer daran denken sollten, dass die Revolution sowieso nicht im Fernsehen übertragen werden wird, sondern höchstwahrscheinlich im Radio – zwischen zwei guten Liedern...
Vorschläge für meine Sammlung sind herzlich willkommen.
Von der Kriminalisierung der privaten MP3- und AAC-Kopie
Parrot AR.DRONE
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Stylisher iPad Sound Table Stand für 39 Euro
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X-mas in Hollis von run DMC
http://www.last.fm/user/slackstar/charts/?charttype=overall&subtype=artist
Das sollte reichen, oder? ;-)
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