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09.12.2007 - 12:14 - Dirk Kirchberg

Nomen est Omen

KojakIch bin ein enthusiastischer Nutzer von EyeTV Diversity, denn seit ich dieses Ding einsetze, schaue ich definitiv weniger Fernsehen. Vor allen Dingen aber deutlich weniger Werbung, denn die schneide ich einfach aus. So muss ich nicht jedes Mal diese superätzend und nervtötend laute Werbung ertragen.

Wie ich gelesen habe, sind die Tonspuren in den Werbeclips komprimiert, um dynamischer zu wirken. Bis zu 40 Prozent ist so ein Spot dann lauter als der Film. Ich kann mir nicht vorstellen, dass verärgertes und genervtes Publikum besonders kaufwillig ist. Das kaufen wir Euch nämlich nicht ab. Aber bitte...

Als ich also dieser Tage wieder dabei war, die Heidi Klums und Olli Dittrichs zu löschen, stolperte ich über einen Werbespot mit Mario Gomez (ein Fußballer), der eine Zuschauerin nach einem Kopfballtor fragt: »Na, auch Riester-Meister?«

Mir schmerzt nach Kopfbällen ja immer der Schädel, weshalb ich diese Form der Ballberührung gern vermeide. Aber auch abseits des Platzes kann jede Menge Kopfschmerz entstehen. Dann nämlich, wenn manche Namen zu feststehenden Begriffen werden. Wir kennen viele solcher Namen, die mittlerweile nicht nur das eigene Produkt, sondern alle Produkte dieser Kategorie repräsentieren, so genannte Begriffsmonopole: Aspirin, Fön, Nutella, Tempo, Tesa, Q-Tips.

Der Herr Riester und seine Rentenvorsorge hat's sicher glücklich getroffen. Aber der eigene Name kann auch zur Qual werden, wenn er ein negatives Begriffsmonopol bildet. Davon können einige Typen ein klagendes Lied singen. Linke Pfeife von Berlin Hoyzer – Was mich daran erinnert, dass ich heute zu 96 gegen Werder ins Stadion gehen und diesen Namen sicherlich das eine und andere Mal dem Schiri hinterherschreien werde, sollten die Fischköppe bevorzugt werden – , Nuttenpapst Hartz und Ich war's nicht, hätte es aber so gemacht-Killer O.J. Simpson. Da heißt es dann mal schnell »He completely ojed his carreer.« oder »Du Hoyzer!«

Einer meiner Lieblingsbegriffe ist Kojak. Ein Kojak ist die perfekte Parklücke in einer extrem autoreichen Umgebung. Der Begriff wurde durch die Fernsehserie mit dem Lolli lutschenden Glatzkopf mit Polizeimarke, Theo Kojak, geprägt. Denn Lt. Kojak bekam zu jeder Zeit einen Parkplatz direkt vor der Tür. Und das in Manhattan! Jeder, der schon selbst einmal in Manhattan einen Parkplatz gesucht hat, weiß, wie illusorisch das ist...

Lange dachten wir auch, ein echter Großer Bruder wäre ebenso reine Illusion. Aber anscheinend sind wir viel näher dran als wir zu albträumen gewagt haben. Denn laut verschiedener Experten entspricht Google längst diesem omnipotenten Familienmitglied. Und manche fordern, dass Google genau aus diesem Grunde zerschlagen werden sollte: »Ceterum censeo...«

Google ist übrigens auch ein gutes Beispiel dafür, wie selbst Schreibfehler zu einem Begriffsmonopol werden können. Denn eigentlich sollte Google Googol heißen. Googol bezeichnet eine 1 mit 100 Nullen und soll auf die Vielzahl der Informationen verweisen. Hat Google diese Masse an Informationen nicht längst übertroffen?!

Und während ich mich mit Personen und ihren Namen beschäftigt habe, hat sich David Pogue Gedanken zu Online-Namen gemacht. Sehr empfehlenswert oder wie Kojak in der deutschen Fassung sagen würde: »Entzückend, Baby!«

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