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21.07.2007 - 14:58 - Dirk Kirchberg

Von Kritikern, Rum und blutigen Händen

Dieses Wochenende gehört ganz klar der Schriftstellerin J.K. Rowling. Sie hat es geschafft, Millionen von Menschen mit ihren sieben Büchern rund um den jungen Zauberlehrling Harry Potter in ihren Bann zu schlagen. Dabei ist ihr Märchen ja auch schon wunderhaft genug. Von der armen Lehrerin, die von ihrem ersten Verlag den Rat bekommt, weiter zu arbeiten, denn mit Kinderbüchern könne man nicht reich werden, zu einer der reichsten Frauen des Vereinigten Königreiches.

Man kann zu ihren Büchern stehen, wie man will. Ich habe bisher kein einziges gelesen und bin beim ersten Film irgendwo in der Mitte eingeschlafen. Aber letztlich entscheiden nicht Kritiker oder Literaturwissenschaftler darüber, ob ein Buch gut oder schlecht ist. Dieses Privileg hat allein die Leserschaft. Und ob sich ein Buch dreimal oder 300 Millionen mal verkauft, spielt dabei keine wirkliche Rolle.

Man muss sich das einmal auf der Zunge zergehen lassen: Rowling hat vor zehn Jahren den ersten Potter-Band veröffentlicht bekommen – mit einer Startauflage von 500 Exemplaren. Mittlerweile liegt die Gesamtauflage ihrer in rund 60 Sprachen übersetzten Bücher bei 325 Millionen, exklusive der wahrscheinlich ebenso fabulösen Verkäufe von Band 7, versteht sich.

Hut ab, Frau Rowling, Sie haben es geschafft. Sie haben ein eigenes Universum kreiert, sie haben eine ganze Generation von jungen, heranwachsenden Lesern geprägt, die mit ihrem Helden Erfahrung sammelten und sich in der nicht minder an wundersamen Begebenheiten reichen Realität – was auch immer das sein sollte – zurechtzufinden lernten. Und die rund 700 Millionen Euro Privatvermögen sind ja auch nicht zu verachten... Wobei ich mich immer wieder an den Ausspruch von Gustave Flaubert erinnere, wenn der monetäre Neid zu groß wird. Flaubert sagte sehr richtig:

"Der Erfolg ist eine Folgeerscheinung, niemals darf er zum Ziel werden."

Und nur weil man berühmt ist, heißt das noch lange nicht, dass einen die Menschen kennen und schätzen. Gestern bei meiner Online-Frühschicht musste ich eine Pressemitteilung lesen, in der es um die Renovierung der Hemingway-Villa ging. Allerdings wurde der Name eines meiner Lieblingsautoren wie folgt verhunzt: Hemmingway.

Und heute morgen dann, als ich Wassernachschub für meinen Kopf besorgte und wartend an der Supermarktkasse stand, sah ich zwischen den Zigarettenmarken "Frisco" – Never ever call San Francisco Frisco! – und "Beach Life" die Marke: Hemingway... Papas Name ziert ja einige Artikel, die an seinen Lebensstil erinnern: Rum, Safarikleidung, Angelruten. Aber Zigaretten? Hemingway hat sein ganzes Leben lang nicht geraucht, weil er den Gestank als Angriff auf seinen Geruchssinn empfand: Er brauche seine Nase, um gut jagen zu können. Nun gut.

Auch wenn ich den Erfolg von Harry Potter nicht schmälern will, so braucht J.K. doch schon einige Seiten, um zum Punkt zu kommen. Ihre Bücher sollen, so habe ich mir sagen lassen, jenseits der 600 Seiten angesiedelt sein. Hemingway dagegen schrieb eine seiner besten Geschichten mit ganzen 6! Wörtern: "For sale: baby shoes, never worn." Daraus lassen sich allerdings keine sieben Filme schnitzen...

Wired forderte übrigens im November 2006 einige Autoren dazu auf, es Papa gleichzutun und ebenfalls eine Geschichte mit sechs Wörtern zu schreiben. Eine Auswahl:

Failed SAT. Lost scholarship. Invented rocket.
- William Shatner

Computer, did we bring batteries? Computer?
- Eileen Gunn

Longed for him. Got him. Shit.
- Margaret Atwood

With bloody hands, I say good-bye.
- Frank Miller

“Cellar?” “Gate to, uh … hell, actually.”
- Ronald D. Moore

Epitaph: Foolish humans, never escaped Earth.
- Vernor Vinge

Rained, rained, rained, and never stopped.
- Howard Waldrop

TIME MACHINE REACHES FUTURE!!! … nobody there …
- Harry Harrison

Bush told the truth. Hell froze.
- William Gibson

Bang postponed. Not Big enough. Reboot.
- David Brin

Schönes Wochenende.

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