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14.06.2007 - 11:15 - Dirk Kirchberg

Boss ex machina

"Es gibt keinen Grund zur Besorgnis."

"Es bestand zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit."

Solche Sätze werden oft gesagt in Filmen, in denen eine hundsdicke Verschwörung hinter den Kulissen läuft. Meist geht es um Macht, Manipulation, Missbrauch, Bereicherung, kurz: Politik. Deswegen hören wir solche Sätze auch ab und zu von unseren Volksvertretern. Und wir alle wissen, was solche Sätze bedeuten – dass das absolute Gegenteil der Fall ist. Werden uns solche Sätze serviert, ist das Kind längst in den Brunnen gefallen, wenn nicht sogar schon ertrunken.

Ich bin gespannt, ob diese Phrasen auch nach der neuesten Analyse des Chaos Computer Clubs (CCC) zum Einsatz kommen werden. Denn der CCC hat sich im Auftrag des Bundesverfassungsgerichts die immer populärer werdenden Wahlcomputer mal genauer angesehen, von denen Hersteller wie Politiker behaupten, man könne sie nicht manipulieren, alles wäre supersicher, besonders die Stimme des einzelnen Bürgers.

Der CCC brauchte nicht mehr als 60 Sekunden, um einen der Computer der Firma Nedap so zu manipulieren, dass er Wahlstimmen falsch speichert und die Prüfer dies noch nicht einmal bemerken würden. Um zu demonstrieren, wie weit man diese Manipulation treiben kann, installierten sie auf einem dieser Koffercomputer eine Schachsimulation. Schach, das Spiel, bei dem es darum geht, den König der Gegenseite aufs Kreuz zu legen.

Nun bin ich jemand, der Technik benutzt, aber keine Ahnung hat, was in diesen Kästen wirklich passiert. Daher bin ich dankbar, dass es Experten gibt, die nachfragen und durchleuchten, was uns so aufgetischt wird. Aber selbst ich Technik-DAU habe schon vor langer Zeit begriffen, dass jedes System, das von einem Menschen entwickelt wird, auch von einem Menschen geknackt werden kann.

Liebes Bundesinnenministerium, was ist so schlimm an Papier? Man kann es archivieren und für jeden nachvollziehbar dokumentieren, wer mit wie vielen Stimmen gewählt wurde. Das ist bei den Kisten mit ihren unergründlichen Eingeweiden nicht möglich. Macht Euch nicht abhängig von diesen Herstellern, die zuallererst ihre Bilanz im Auge haben und nicht die Transparenz der Demokratie. Und wenn eine Firma (HSG Wahlsysteme) auf ihrer Website mit einem Foto wirbt, in dem ein in einen dunklen Mantel gehüllter Mann mit braunem Schal einen großen schwarzen Koffer (der Wahlcomputer) lächelnd durch die Gegend trägt, dann wird mir schummerig vor Augen.

Hallo?! SCHWARZE KOFFER! Da müssten bei Politikern und Kontrollausschüssen sämtliche rote Alarmlampen angehen, nein, durchknallen! Das hoffentlich letzte Wort gehört Andy Müller-Maguhn, Sprecher des CCC: "Wenn Deutschland seiner Vorbildrolle für junge Demokratien gerecht werden und sich nicht international zum Gespött machen will, gibt es keine Alternative zum sofortigen Ausstieg aus der Wahlcomputer-Technologie."

Infos zur CCC-Analyse, zum holländischen Hersteller, zum deutschen Ableger, zum Wahlbetrug in den Niederlanden und zur Sendung mit der Maus.

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