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08.06.2007 - 17:24 - Dirk Kirchberg

Miese Logos, keine Ahnung und verdammt viel Kohle

Warum in aller Welt haben die Ausrichter von Sportveranstaltungen so verdammt wenig Ahnung von Grafikdesign? Immer und immer wieder bombardieren sie uns mit Logos, die grausam schlecht und oft sogar inhaltlich falsch sind. Erinnern wir uns, wenn auch nur ungern: FIFA World Cup 2006, diese dümmlich grinsenden Ectasy-Pillen, die uns aufs Dauerhigh des Sommers einstimmen sollten. Die Flagge als Banner am Rand, und dann auch noch falsch herum. Profis halt. Mit solchen Profis machen wir weiter.

Denn ähnlich gelungen ist ja auch das Logo der uns noch bevorstehenden EU 2008. Soll das grüne Ding in der Mitte ein Fußball sein? Sieht nach starkem Schimmelbefall aus. Hat der Ball zu lang im feuchten Keller gelegen? Oder ist das eine verdorbene Scheibe Appenzeller bzw. Mondseer? Was in diesem Logo steht für Österreich und was für die Schweiz? Oder haben diese beiden Länder als einzig wiedererkennbaren Wert Bergsilhouetten? Wenn es die Höhenzüge nicht sind, dann doch wohl die Schluchten... ;-)

Die Organisatoren der Olympischen Spiele 2012 in London haben nachgezogen und vorgelegt, sowohl geschmacksverirrt wie auch finanziell. Denn das 2012-Logo, das den Kandidatur-Entwurf von Kino Design ablöste, erinnert mich an, mhm, Moment, ich komm' gleich drauf... Richtig! An meine ersten – und letzten – Versuche, ein Graffito zu entwerfen. Ich habe damals sehr schnell eingesehen, dass das mit dem Zeichnen nix wird. Doch die Designer des neuen Logos scheinen damals bei einer ähnlichen Kreuzung in ihrem kreativen Leben die andere Richtung eingeschlagen zu haben. Und diese gegen alle Regeln der Logik verstoßende Entscheidung zahlt sich nun aus. Denn das neue Logo hat 400.000 Pfund gekostet. Das sind geschmeidige 600.000 – in Worten: SECHSHUNDERTTAUSEND –  Euro! Jungs, Hut ab, Ihr habt wieder einmal bewiesen, dass man mit Scheiße verdammt viel Geld verdienen kann.

Das Logo von Kino Design, mit dem sich London für die Olympischen Spiele beworben hatte, ist dagegen eine wohltuende Abwechslung. Dieser Banner, der sich durch den Schriftzug schlängelt, folgt übrigens dem Verlauf der Themse. Guter Einfall, gute wie einfache Umsetzung. Die sich ebenfalls bewerbenden Städte hatten auch sehr ansprechende Logos eingereicht.

600.000 Euro für ein Logo? Bei einer durchschnittlichen Entwicklungszeit von geschätzten 20 Minuten macht das einen schwindelerregenden Stundensatz. Wo wir schon bei Schwindel sind: Das London 2012-Logo löst epileptische Anfälle aus! Bereits acht Fälle sind bekannt, in denen eine animierte Version des Logos auf der Website Epilepsien verursachte. Nun gibt's auf der Website keine Blinky-Variante mehr, wobei die "stillen" Logos ja auch schon reichen, um einen gewissen Reiz in mir auszulösen. Ihr wisst, was ich meine...

Die Reaktion des Londoner Bürgermeisters Ken Livingstone fiel ebenfalls vernichtend aus. Ihr wisst schon, das ist der Ken Livingstone, der seinen Mitbürgern empfahl, Wasser zu sparen, indem sie nicht die Toilette spühlen solten, wenn sie nur ein "kleines Geschäft" verrichtet hätten. Der Herr des Themse-Wassers sagte zum Olympia-Logo seiner Stadt: "Ich würde keinen Penny für solch einen katastrophalen Fehler zahlen." Das sehen rund 50.000 Menschen auch so, die ihre Unterschrift unter eine Petition setzten, die zum Ziel hatte, das neue Logo postwendend wieder abzuschaffen. Die Petition, mittlerweile auf Wunsch des Initiators eingestellt, scheint die Ablehnung der Briten zum Logo und den Olympischen Spielen widerzuspielen. Laut Welt Online bieten englische Buchmacher Wetten an, dass die Organisatoren zum alten Entwurf zurückkehren. „Das Logo nervt die Leute. Es ist derzeit unsere beliebteste Wette“, erklärte der Sprecher eines Wettbüros.

Das einzig Gute an dem London 2012-Logo ist die Neuerung, dass nun zum ersten Mal die Olympischen Spiele und die Paralympics dasselbe Logo nutzen. Die Variante für die Paralympics ist leider aber noch schlimmer geraten. Die Assoziationen, die das Logo insgesamt auslöst, reichen von Lisa Simpson, die jemandem eine mündliche Liebkosung widerfahren lässt, bis hin zum Hakenkreuz. Gerade letztere Vorstellung dürfte die Insulaner besonders schocken. Vielleicht hilft der Schrecken ja beim Denken. Wer sich anschauen möchte, wie London 1948 oder Tokio 1964 für die Olympischen Spiele war, der schaue mal bei dieser Galerie vorbei, die alle Logos seit 1924auflistet. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Barcelona-Logo 1992. Das Logo ist nicht besonders anspruchsvoll oder gar "spanisch". Aber es schaffte das, was ein Logo leisten soll: sich ins Gedächtnis einzubrennen. Das könnte ein Trost für die Macher von London 2012 sein. Aber auch eine Drohung...

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logos

10.06.2007 - 16:58 - (zantetsu)

Hi Dirk,

das FIFA WM Logo´06 finde ich eigentlich ziemlich gelungen. Bei den Logos zur Euro´08 und den Olympischen Spielen 2012 stimme ich dir zu, die sind wirklich richtig mies. Und wie man 600.000 € für ein Logo ausgeben kann, dass gesellschaftlich nicht akzeptiert wird ist mir schleierhaft. Für das Geld sollte man in der Lage sein zu testen ob ein Logo ankommt oder nicht. Den Vorschlag von Kino Design finde ich allerdings auch nicht sonderlich kreativ.

Gruß

Daniel

Kosten

11.06.2007 - 11:28 - (Kirkhill)

Hi Daniel,

ich erinnere mich sehr gut an die Diskussion, die rund ums WM-Logo u.a. auch in der Page ausgetragen wurde. Da gab es ja auch haufenweise Gegenentwürfe. Die meisten waren besser (für mich) als das Logo, das es dann wurde...

Ich habe mir mal den Spaß gemacht und ausgerechnet, wie viele Stunden (sehr vereinfacht, ohne Reichzeichnungphase und andere Kosten) die am London-Logo gebastelt haben müssen, um auf diesen Satz zu kommen. Ich orientiere mich dabei am Vergütungstarifvertrag des AGD.

Wenn eine Stunde 70,- € kostet und man den Nutzungsfaltor Faktor 6,2 anlegt (exklusiv, weltweit, zeitlich unbegrenzt, extensiv), dann kommt man mit 600.000 Euro Kosten auf eine Stundenzahl von 1382, was gerundeten 58 Tagen entspricht... 58 Tage für so ein Logo... Meine Kunden meckern ja schon, wenn ich nicht gleich gestern ein Logo für umme liefere, das so super ist, dass sie "auch selbst hätten drauf kommen müssen". Meist findet der Chef dann noch einen aus der Buchhaltung, dessen Sohn gerade eine Logo-AG in der Schule belegt hat und das für weniger entwickelt hätte... Und jetzt weißt Du auch, warum ich fast nur noch schreibe... ;-)

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