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21.11.2008 - 18:00 - Dirk Kirchberg

Life-Archiv bei Google: Zehn Millionen für die Ewigkeit

John Shearer / LIfe Archive hosted by Google

Wir teilen uns in Texten mit, aber wir erinnern uns in Bildern. Und kein anderes Magazin prägte das fotografische Gedächtnis des 20. Jahrhunderts so wie Life. 1936 erschien das Magazin, das auf wenig Text und über viele Seiten ausgedehnte Fotostrecken setzte, zum ersten Mal. Auf schwerem Papier gedruckt und mit einer wöchentlichen Auflage von einer Million wurde Life zum Vorreiter der modernen Fotoreportage.

Life widmete sich dem, wonach man sich benannt hatte: dem Leben in all seinen Facetten. Adolf Hitler wurde ebenso porträtiert wie Benito Mussolini, Marilyn Monroe oder Florence Owens Thompson, die man viele Jahre nur als Migrant Mother kannte. Das Porträt der verzweifelten Wanderarbeiterin und ihrer drei Kinder, das die Fotografin Dorothea Lange während der Wirtschaftskrise 1936 in den USA aufnahm, wurde wie viele Life-Fotos zur Ikone, zum Symbol einer Ära.

Die Bilder der Landung der alliierten Truppen in der Normandie am D-Day 1944, die der Starfotograf und Mitbegründer der Agentur Magnum, Robert Capa, auf dem Bauch liegend im flachen Wasser schoss, erschienen ebenso in Life wie die Fotos der ersten Mondlandung, Bilder von Stierkampfbesuchen Ernest Hemingways, von John F. Kennedys Alltag im Weißen Haus, von legendären Boxkämpfen Muhammad Alis.

Nach dem Siegeszug des Fernsehens musste auch Life sich Ende der siebziger Jahre neu orientieren. Aus dem Vorreiter der Fotoreportage wurde zusehends das führende Klatschblatt Hollywoods, das Bilder von Stars und Sternchen druckte. 2000 war dann endgültig Schluss: Life wurde eingestellt.

Doch nun sind zumindest die Fotos von Life zurück. Über Google lässt sich das riesige Fotoarchiv des Magazins, das bis ins Jahr 1860 und damit in die Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs zurückreicht, durchsuchen. Derzeit sind rund zwei Millionen Fotos abrufbar. In wenigen Monaten soll das gesamte Life-Archiv – etwa zehn Millionen Fotos – zugänglich sein.

Alle Bilder können kostenlos auch in Hochauflösung betrachtet werden. Allerdings sei davor gewarnt, Fotos aus dem Archiv einfach auf der eigenen Webseite zu publizieren. Das Magazin mag Vergangenheit sein – die Urheberrechte der Fotografen sind es nicht.

Foto: John Shearer / Life Photo Archive hosted by Google

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