Nun ist die CeBIT seit fast 24 Stunden vorbei, unbemerkt von den meisten Hannoveranern. Die Bahnen sind genauso voll wie die Tage zuvor, das liegt aber am Dauerregen, der dem nächtlichen Schnee folgte. Man möchte der Natur danken, dass sie die letzten Spuren der CeBIT mit unschuldigem Weiß verwischte. Doch ganz zum Schweigen hat sie, die Natur, sie, die trompetenden Messemacher, nicht bringen können.
So verkündete gestern Bitkom-Präsidiumsmitglied Harald Stöber vollmundig: „Innovationen ohne Ende auf dem Gelände.“ Er meint wahrscheinlich die Besucher, die mit einem der tausenden Billigtickets auf das Messegelände strömten: 2007 kamen rund 480.000 Besucher, 10 Prozent mehr als im vorigen Jahr.
Wie die Hannoversche Allgemeine am 14. März berichtete, hatte die Deutsche Messe AG in den Wochen vor der CeBIT Kartenpakete im dreistelligen Bereich von jeweils 500 Karten zum Preis von 490 Euro verscherbelt. Aber nicht nur die Messe AG verkloppte Kartenkontingente zum Dumpingpreis. "Elektronikfachgeschäfte" in Hannover, wie etwa Karstadt und Medimax, verteilten CeBIT-Karten gar als kostenlose Zugabe zu Billigprodukten. Wer eine Speicherkarte für 9,99 Euro kaufte, bekam das CeBIT-Ticket gratis dazu. Ob er wollte oder nicht.
98 Cent bzw. geschenkt statt 38 Euro an der Tageskasse – kein Wunder, dass die Messe einen Besucherzuwachs verzeichnen konnte. Ob man so allerdings das dringend benötigte Fachpublikum aufs Gelände lockt? Ein Aussteller berichtete der Zeitung: „Wir haben 300 der Karten im Mitarbeiter- und Bekanntenkreis verteilt und haben Schwierigkeiten, die übrigen Karten loszuwerden.“
Lauschen wir Ernst Raue, Vorstand der Deutschen Messe, der meint: „Mit der CeBIT 2007 haben wir die Trendwende erfolgreich gemeistert.“ Das soll wohl bedeuten, dass man die Besucherzahlen zukünftig nur noch mit Unmengen Billigtickets stabil halten kann. So ist man dann natürlich auch in der Lage, einen Aufschwung herbeizubeten. Was man bei Apple-Fans Reality Distortion Field nennt, heißt bei der Deutschen Messe AG Marketing. Denn ein Messesprecher nannte die Kartenaktion „eine neue Form des Besuchermarketings.“ Egal, wer kommt – Hauptsache, es ist voll. Im diesem ganzen Trubel gibt es aber auch eine durchweg positive Nachricht: 2008 wird die CeBIT um einen Tag gekürzt.
Zu guter Letzt, wollten wir die Frage der diesjährigen CeBIT beantworten. Erinnern wir uns – die CeBIT-Macher stellten die Frage: „Und was sehen Sie?“ Da ich diese Frage bereits beantwortet habe, gaben wir sie an die Besucher weiter und konnten zwei klare Favoriten ausmachen: Gebärmutter bzw. Eierstöcke gefolgt von Schmetterling. Dann war da ein Baby mit Zöpfen und verschiedene Wesen, die Rücken an Rücken standen und wahlweise als Hasen, Hexen, Männchen oder Monster identifiziert wurden. Besonders gut gefiel uns die Deutung einer Besucherin des Logos als Stiefel. Sie ist ihres Zeichens Psychologin und erklärte uns: „Wer einen Stiefel in dem Logo erkennt, könnte unter einem Vaterkomplex leiden...“
Nachdem wir so über die diesjährige Ausgabe der CeBIT hergezogen sind, wollen wir zum Schluss ein wenig helfen, damit 2008 alles noch erfolgreicher wird. Hier unser Logovorschlag für nächstes Jahr. Um es vorwegzunehmen: Nein, es ist kein Schmetterling – eher ein Racheengel...

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