Die Vorfreude auf den Korg iMS-20 war groß, als ich die App im iTunes-Store entdeckt habe. Ich kenne den Vorgänger DS-10 für den Nintendo DS, auch wenn ich auf dem DS nicht halb so viel Elan entwickelt habe, wie auf dem iPad. Schnell war das iPad organisiert und kurze Zeit später habe ich mich mit dem iMS-20 unter meine geliebten Kopfhörer verzogen.
Zu weiten Teilen sind mir die Bedienung des Synthesizers und die netten Beigaben, wie der Sequenzer oder der Drumcomputers, vom erwähnten DS bekannt. Obwohl ich außer dem angekündigten Insert-Effekt nicht viel Neues erwartet habe, weiß mich die iPad Version doch zu überraschen. Der Sound mag wohl nicht ganz dem originalen Synth aus den 70ern entsprechen, ist aber, wie die des VST Plug-Ins (Korg Legacy Collection) und der Version des DS, beeindruckend gelungen. Auch im Bereich Bedienung ist die Erfahrung durchweg sehr positiv. Mittels einer gelungenen Einblendung, die über den eingestellten Wert der „analogen“ Regler informiert, ist es ein leichtes den richtigen Ton zu treffen.

Aber nicht nur die Bedienung der Drehregler und Knöpfe weiß zu überzeugen, sondern gerade auch der Bereich der Pattern- bzw. Songsteuerung. Im ersten Moment, vom quer laufenden Fader ein wenig irritiert, erschließt sich das Konzept schnell und ist danach äußerst intuitiv. Schön ist auch die gut gemachte Darstellung des Kopiervorgangs der Pattern.
Besonders freue ich mich über die Möglichkeit den „fertigen“ Song bereits im iPad in eine Wave Datei umwandeln und direkt auf das Audioportal Soundcloud.com hochladen zu können (Kostenloses Login natürlich vorrausgesetzt).
Was den Korg MS-20 im Original auszeichnet, sind die umfangreichen Möglichkeiten der Klangerzeugung. Aber es bleibt für sich genommen dennoch nur ein Synth mit einem einzelnen Ton, auch wenn dieser aus zwei Klangerzeugern stammt, die man gegeneinander verstimmen kann. Die iPad App kommt da schon mit deutlich mehr Ausstattung daher. Der iMS-20 besitzt neben der Ansteuerung des Synth durch den Sequenzer noch einen 6-spurigen Drumcomputer. Das mag heutzutage nicht allzu viel erscheinen, wenn man bedenkt, dass es sich auch bei den hier gebotenen Stimmen um rein analoge Klänge handelt und nicht um die sonst üblichen realistischen Drumsounds, die über Samples realisiert werden.

Schaut man aber bei dem Drumcomputer ein wenig hinter die Kulissen – und das wird sich nicht vermeiden lassen, wenn man die Sounds des Drumcomputers verändern möchte – dann stellt sich heraus, dass jede Spur einem kompletten Setup von Sequenzer, Synth und Insert-Effekt entspricht. Womit sich im iMS-20 nicht ein Synth und ein Drumcomputer, sondern genaugenommen ganze 7 MS-20 verstecken. Allerdings muss man hier auch sagen, dass die MS-20 der Drumsektion ein wenig kleiner ausfallen, als der Synth der Hauptstimme. Es fehlt ihnen ein wenig im Bereich der Hüllkurven und auch ein Portamento ist nicht einstellbar. Ebenfalls ist der Sequenzer reduziert. So fehlen hier die variabel einstellbaren Parameter und man ist auf Tonhöhe, Oktavlage, Klanglänge, Lautstärke und Panorama eingeschränkt.
Nichts desto trotz lassen sich mit diesem Setup hervorragend weitere Bässe, Flächen oder andere Synthesizer-Klänge erzeugen, wenn man auf die entsprechenden Drumsounds verzichten kann oder mag.
Wie umfangreich der Aufbau der iPad App wirklich ist, erkennt man am besten in einer kleinen grafischen Übersicht:

Der Klang bzw. die Klangmöglichkeiten des MS-20 sind nahezu legendär. Ist es doch möglich mit diesem durchaus tragbaren Gerät Signale andere Klangquellen (E-Gitarren, Mikrofone, Tonbänder und anderes) zu bearbeiten. Besonders die hintereinander geschaltete Filterkombination aus Hoch- und Tiefpassfilter gilt mit ihrem Sound bis heute als einmalig.
Selbst ohne den halbmodularen Ansatz des Gerätes, mittels der Patchkabel, zu nutzen, ist der MS-20 in der Lage Sounds von tiefen, fetten Bässen bis zu kreischenden, hohen Leadsounds zu erzeugen. Durch die vorhandenen Modulationsquellen gelingen auch sehr trippige Effektsounds, die schon alleine mit einem nachgeschalteten Hall oder Delay für manch unterhaltsame Stunde reich(t)en.
Und hier spielt der iMS-20 auf dem iPad seine Qualitäten richtig aus. Die vorhandenen Effekte bieten einen guten Querschnitt über alles, was das Soundbastler-Herz erfreut. Temposynchrones Delay, Hall, einen Chorus, der bis zum Flanger überdreht werden kann, sogar Röhrensättigung und EQ sind vorhanden, um nur eine kleine Auswahl der 14 Effekte aufzuzählen.
Wie schon weiter oben erwähnt, gibt es Stimmen, die sich über den Sound negativ geäußert haben, dass er nicht herausragend wäre. Nun kann ich von mir nicht behaupten, dass ich die besten Ohren hätte (nein, es geht hierbei nicht um die Optik *ggg* ) und ich neige ganz eindeutig oftmals dazu, viel zu viel Bass in meine Musik zu drehen, aber dennoch wage ich zu behaupten, dass Korg im Rahmen der Möglichkeiten eine ganz phantastische Klangmaschine abgeliefert hat. Denn wir reden hier trotz alledem doch immer noch von einer digitalen Nachbildung eines alten, analogen Klassikers.
Wer sich trotz des satten Basses einen Eindruck meiner ersten Gehversuche auf dem iMS-20 verschaffen möchte, kann dies nachfolgend mit den Klangbeispielen tun.
Abgesehen natürlich davon, dass durch das iPad die Handlichkeit des iMS-20 schon herausragend ist, kann man die Bedienungsfreundlichkeit der Umsetzung als Steigerung aufführen. Dennoch sollte man sich bewusst sein, dass solch ein „analoges“ Gerät ein wenig Vertrautheit mit diesen Geräten voraus setzt, da hilft alle Bedienungsfreundlichkeit leider nichts. Wer aber gerne experimentiert und entdeckt, wird auch ohne die Vertrautheit viel Spaß haben.
Wenn man mich nach Negativem fragt, muss ich zwar erst einen Moment überlegen, aber auch hier habe ich durchaus den einen oder anderen Punkt.
Zu allererst bedauere ich es sehr, dass die Pattern zwar die Soundeinstellung der Hauptstimme speichern, so dass diese in jedem Pattern einen anderen Klang beisteuern kann, dieses aber nicht konsequent ebenfalls für die Drumspuren umgesetzt wurde. Dieses würde die Möglichkeiten deutlich erhöhen.
Auch sind mir die 16 vorhandenen Patternzu wenig. Ich würde mir die doppelte bis vierfache Menge wünschen – was ohne Probleme machbar sein sollte.
Davon abgesehen fehlt mir im Songaufbau, neben den vorhanden Elementen „Stop“ und „Loop“, die Möglichkeit einen Startpunkt für den Loop zu setzen. Es wäre toll, wenn man den Einstieg in einen Song über verschiedene Pattern gestalten , dann in einen Loop wechseln und schließlich diesen wieder verlassen könnte. Damit wäre es dann sogar ein reizvolles Live-Tool.
Bei längerer Benutzung werden sich sicher noch weitere kleine Wünsche ergeben, die man aber eigentlich bei allen Geräten früher oder später entwickelt. Aber Korg kann ja noch nachliefern.
Um diesen kurzen Testbericht zu einem schlüssigen Ende zu bringen, nun mein Fazit des Wochenendes unter anhaltender Kopfhörerbeschallung. Wer ein iPad besitzt und Spaß an Musik hat, kann eigentlich beim Kauf nichts falsch machen. Wer darüber hinaus schon weiß, was er von der App geboten bekommt, brauch wohl erst gar nicht überlegen. Der aktuelle Einführungspreis von nicht einmal 13 Euro ist für so eine umfangreiche App ein absolut genialer Deal. Sich via Uploads zu Soundcloud.com auch noch mit anderen messen zu können, ist ein zusätzlicher Anreiz, den man natürlich auch auf anderem Wege des Uploads haben könnte, aber es vermittelt doch den Eindruck einer in sich geschlossenen Gemeinschaft Gleichgesinnter. Für mich befinden sich dort jetzt schon zwei Helden meiner Jugend, deren bisherige Uploads zwar noch ausbaufähig sind, aber ich denke sowohl der Herr Bryan Erickson wie auch ein gewisser Herr Doktor aus Münster mit dem damaligen Nick Sevren Ni Arb werden wohl noch mehr veröffentlichen. I hope so
Korg iMS-20 der Kult lebt weiter
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