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23.08.2008 - 12:06 - Dirk Kirchberg

Apple oder wie man seine Kundschaft knebelt

Mit dem iPhone fing es an: Apple wollte uns Kunden vorschreiben, mit welchem Anbieter wir das schicke Handy betreiben dürfen. Exklusivpartner für jedes Land sollten dem Unternehmen eine dicke Marge sichern. Und das taten sie. Bis die Kundschaft Apple eine Nase drehte und die geknebelten Telefone von den bindenden Fesseln befreiten.

Doch Apple zog nach und erschwerte es den Kunden immer wieder aufs Neue, das Telefon problemlos zu nutzen. Die Hacker und die Entwickler bei Apple lieferten sich um jedes Update ein Wettrennen.  Die Hacker reagierten innerhalb von Stunden und ermöglichten immer wieder ein freies iPhone-Vergnügen.

Beim iPhone 3G dann änderte sich das Spiel. Denn das Telefon musste auf neue Art und Weise aktiviert werden. So wollte Apple die Zügel wieder anziehen. Und Apple legte mit einer besonders engen Kandarre nach: Mit einer Blacklist und einem so genannten "Kill Switch", einem Killerschalter, kann Apple jedes Programm auf dem iPhone, das dem Hersteller missfällt, löschen.

Also auch gekaufte Programme aus dem App Store, die Apple irgendwann nicht mehr in den Kram passen, können via Firmware gekillt werden. Wir reden hier von Software, für die Nutzer im Apple-Portal Geld gezahlt haben und von dem Apple seinen Anteil bekommen hat.

Man stelle sich einmal vor, Microsoft würde eine solche Blacklist einführen. Die Medien- und Expertenwelt würde Microsoft verteufeln, durch die Straßen jagen und öffentlich brennen lassen. Und was passiert bei Apple? Ein wenig Unruhe in der Blogosphäre und einige Kolumnisten, die sich ärgern und die kundtun. Aber in der breiten Masse macht sich keine große Entrüstung breit. Leider.

Denn wie könnte es nach der Causa iPhone weitergehen mit dem Reglementierungswahn Apples? Müssen wir demnächst damit rechnen, einen bestimmten Internetprovider nutzen zu müssen, wenn wir einen Mac kaufen? Will Apple demnächst auch die absolute Kontrolle über meinen Mac und mir vielleicht auch in meinen eigenen virtuellen vier Wänden vorschreiben, welche Software ich nutzen darf und welche nicht?

Wer jetzt sagt, das sei doch völlig überzogene Schwarzmalerei, den frage ich: Wer schützt uns vor solchen Auswüchsen? Und wer garantiert uns, dass das nicht kommt? Apple traue ich mittlerweile alles zu. Wunderbares Design und unvergleichlich gut funktionierende Hard- und Software, aber eben leider auch Despotie. Hoffen wir, dass Apple sich eines Besseren besinnt und sich vergegenwärtigt, dass der Apfel ohne begeisterte und kaufwillige Nutzer nicht prall und rund bleiben, sondern Besuch von einem anderen Apfelliebhaber bekommen wird: dem Wurm.

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